Arbeitsgruppe Weichfresser e.V. - Für Freunde der Weichfresser

Trauerschnäpper

2 Feb, 2018

Trauerschnäpper

Der Trauerschnäpper

Ficedula hypoleuca hypoleuca ( Pallas, 1764 )

© T. Ratjen

 

Englisch: Pied Flycatcher

Systematik:

Ordnung: Passeriformes – Sperlingsvögel

Familie: Muscicapidae – Sänger

Unterfamilie: Muscicapinae – Schnäpperartige

Gattung: Ficedula

Art: Ficedula hypoleuca – Trauerschnäpper

Verbreitung:

Das Brutgebiet des Trauerschnäppers reicht von Nordwestafrika (F. h. speculigera ), Teilen Spaniens und Portugals ( F. h. iberiae ) sowie den Britischen Inseln quer durch Europa und in einem schmaler werdenden Ausläufer bis zum Jenissei, in Nordeuropa bis zum 70. Breitengrad.

Je nach Witterung treffen die Männchen Ende April bis Ende Mai, wenige Tage vor den Weibchen, im Brutgebiet ein. Der Zug in das Winterquartier, das von Guinea bis zum Kongogebiet reicht, beginnt bereits Ende Juni.

Biotop:

Der Trauerschnäpper bewohnt nicht zu dichte, alte und unterholzarme Laub- und Mischwälder, wobei in Mitteleuropa Eichen- und Buchenwald, in Norddeutschland auch Kieferwald, in Skandinavien fast reiner Fichtenwald besiedelt werden. Oft findet man die Art auch in größeren Gärten, Parks, auf Friedhöfen und in Obstgärten wenn genügend Nisthöhlen zur Verfügung stehen. Durch Anbringen von zahlreichen künstlichen Nisthöhlen ist der Trauerschnäpper relativ leicht in geeigneten Gebieten anzusiedeln.

Weibchen im Ruhekleid

Beschreibung:

Die Länge des Trauerschnäppers beträgt ca. 13 cm. Die Männchen im Prachtkleid variieren sehr stark. So sind sie auf der Oberseite von tiefschwarz über schiefergrau bis braun gefärbt. Die Unterseite, ein Stirnfleck sowie der Flügelspiegel sind weiß. Weibchen und Vögel im Schlichtkleid sind auf der Oberseite mattbraun gefärbt. Die Geschlechter der braunen Variante lassen sich oft sehr schwer unterscheiden, hier hat das Männchen einen etwas größeren weißen Flügelspiegel, einen weißen Stirnfleck und dunkleres Großgefieder. Der Gesang besteht aus einer klaren, etwas wehmütigen Strophe mit wechselnden Motiven und eingefügten Nachahmungen.

Auffällig sind ein Flügelzucken und das nicht immer damit verbundene Schwanzzucken bei Erregung. Sehr oft zuckt der Trauerschnäpper schnell zwei- oder dreimal, ein- oder beidseitig nacheinander mit den Flügeln.

Unterbringung:

Außerhalb der Brutzeit sind Trauerschnäpper Einzelgänger die sich bis zum Verlust eines Tieres bekämpfen können. Daher sollten die Vögel nach der Brutzeit einzeln untergebracht werden. Die Sommermonate können sie in bepflanzten, geschützten Außenvolieren verbringen wo sie bedenkenlos auch mit anderen friedlichen Arten vergesellschaftet werden können. Meine Volieren haben eine Größe von 5x2x2,2 m (Länge x Breite x Höhe), sind mit Fichten, Holunder, Kiefer und Weide bepflanzt und vollständig überdacht. Gern sitzen hier die Schnäpper auf den Zweigen und jagen nach Fluginsekten. Gibt man den Vögeln Insekten aus der Lichtfalle ist es immer wieder interessant diese bei den Jagden zu beobachten, oft erkennt man die Kleinstinsekten schwer mit dem bloßen Auge die in den Flügen blitzschnell erbeutet oder von den Pflanzen abgelesen werden.

In den Wintermonaten sollte die Art allerdings frostfrei untergebracht werden oder die Möglichkeit haben einen frostfreien Innenraum aufzusuchen. Auch in Innenvolieren, die eine Mindestgröße von 2x2x1m haben sollten um das interessante Verhalten dieses Schnäppers beobachten zu können, ist mir die Zucht schon geglückt.

Während der Brutzeit dürfen keine weiteren Vögel in die Voliere gesetzt werden, hier habe ich die Erfahrung gemacht das selbst größere Arten, wie die allgemein als streitlustig bekannten Bergfinken, heftig bekämpft werden. Auch sollte man keine anderen Höhlenbrüter wie Meisen, Feldsperlinge oder Kleiber in derselben Voliere halten da es im Frühjahr zu Streitereien um die Höhlen kommen würde. Bei mir sind die Trauerschnäpper mit Schafstelzen, Zeisigen, Mönchsgrasmücken oder Ammern vergesellschaftet, hier gab es noch niemals irgendwelche Probleme.

Männchen im Ruhekleid

Ernährung:

Da dieser Schnäpper in der Natur bei schlechtem Wetter auch Nahrung am Boden sucht spielt es keine Rolle in welcher Höhe die Futternäpfe in der Voliere angebracht sind. Die Art geht auch an Futterschüsseln die niedrig über den Boden gestellt werden. Den Trauerschnäppern steht bei mir das ganze Jahr über ein fertiges Weichfutter der Fa. Muchaterra zur Verfügung. In der Fortpflanzungszeit wird hiervon allerdings wenig aufgenommen, jetzt besteht die Nahrung fast ausschließlich aus animalischer Kost. Es werden Pinkies, Buffalos, kleine Grillen und Heimchen, Insekten aus der Lichtfalle sowie vereinzelt Mehlkäferlarven gereicht. Mein Lebend- und Frostfutter beziehe ich seit vielen Jahren in hervorragender Qualität ebenfalls von Muchaterra. Die Buffalos, Pinkies, und Mehlkäferlarven werden mit einem Ölgemisch oder einem Multivitaminsaft leicht angefeuchtet und dann mit Nekton MSA bestäubt. Außerhalb der Brutzeit wird das Lebendfutter reduziert und vermehrt Weichfutter angeboten um die Vögel im Frühjahr durch gesteigerte Lebendfuttergaben wieder in Brutstimmung zu versetzen. In den Wintermonaten verfetten die Trauerschnäpper recht leicht, hier muss mit gezielten Futtergaben vorgebeugt werden. Ein etwaiger Fettansatz wird mit Beginn der Brutperiode aber recht schnell wieder abgebaut.

Zucht:

In der Regel beginnt das Männchen Mitte Mai damit dem Weibchen die Nisthöhlen zu zeigen. Dazu klammert es sich an den Rand der Höhle, singt und sieht immer wieder hinein. Für kurze Zeit schlüpft es nun in den Nistkasten, der mindestens die Größe eines gewöhnlichen Meisenkastens haben sollte, ein und inspiziert diesen. Das Weibchen habe ich jetzt immer in Sichtweite, entweder in der Nachbarvoliere oder in einem größeren Käfig in der Voliere des Männchens, untergebracht. Nur unter Beobachtung sollte man das Weibchen in die Voliere des Männchens lassen, ist die Aggression unter den Partnern zu groß werden sie wieder getrennt und nach einigen Tagen wiederum zusammengesetzt. Oft jagt das Männchen auch jetzt noch sein Weibchen durch die Voliere, dies gehört aber zur Verpaarung und ist für dieses ungefährlich. Das Männchen hängt weiterhin oft am Einflugloch zur Nisthöhle, trägt seinen Gesang vor und schlüpft hinein. Je öfter sie ihm in die Höhle folgt umso fester wird die Bindung des Paares. Nimmt das Weibchen Niststoffe auf ist dies ein untrügliches Zeichen für die geglückte Verpaarung. Nach der Anpaarung hört das Männchen fast schlagartig auf zu singen, beginnt während des Nestbaus und Brütens aber wieder seinen Gesang, wenn auch mit geringerer Intensität, vorzutragen. In der Natur wurde nachgewiesen, dass ein Teil (gebietsweise sogar mehr als ein Drittel) der Männchen mit zwei Weibchen verpaart ist. Es wurden auch schon Männchen an drei Höhlen fütternd beobachtet.

Nest mit Jungvögeln und Eiern.

Das Nest wird allein vom Weibchen aus trockenen Gräsern, Wurzeln und Halmen gebaut, Moos und auch angebotene Tierhaare wurden nicht beachtet. Die meist 4 bis 8 Eier werden vom Weibchen 12 bis 14 Tage lang bebrütet. Das Männchen fliegt die Nisthöhle jetzt häufig mit Insekten an, schlüpft ein oder das Weibchen nimmt ihm das Futter am Nesteingang ab. Oft verlässt das Weibchen aber auch die Höhle um Nahrung aufzunehmen und Kot abzusetzen. Nach dem Schlupf der Jungen werden die Eischalen aus der Höhle getragen, auch wird der Kot in den ersten Tagen verschluckt, später außerhalb des Nistkastens abgelegt. Nestkontrollen und die Beringung der Jungen wurden von den Altvögeln nicht übel genommen. Mit ca. 14 Tagen verlassen die Jungen bereits flugfähig das Nest und halten sich in den Zweigen der Voliere oft dicht zusammengedrängt auf wobei ihr geflecktes Gefieder eine hervorragende Tarnung bietet. Mit ca. 24 Tagen nehmen die Jungen bereits selbständig Insekten auf. Wie in der Natur wurde auch in der Voliere nur eine Brut durchgeführt und die Adulten begannen ihre Mauser bereits bevor die Jungen selbständig waren. Nach der Jugendmauser setzten die Aggressionen unter den Vögeln ein, sodass diese von mir einzeln gesetzt werden mussten.

Text und Fotos: Th. Ratjen (2018)

Beitragsbild: www.lietzow-naturfotografie.de

Literatur:

Curio „Verhaltensstudien am Trauerschnäpper“ Verlag Paul Parey

Limbrunner, Bezzel, Richarz, Singer „Enzyklopädie der Brutvögel Europas“ Kosmos

Bezzel „Kompendium der Vögel Mitteleuropas“ Aula