Arbeitsgruppe Weichfresser e.V. - Für Freunde der Weichfresser

Säbelschnäbler

28 Jul, 2017

Säbelschnäbler

Der Säbelschnäbler

Recurvirostra avosetta ( Linné, 1758 )

© T. Ratjen

Aufgrund seiner Gestalt und Gefiederfärbung gehört der Säbelschnäbler sicherlich zu den auffallendsten Limikolenarten. Über seine aufwendige Haltung in der Limikolenanlage im Wildpark Eekholt in Großenaspe möchte ich hier berichten und die Art in einem kurzen Porträt vorstellen.

Beschreibung
Die Länge beträgt ca. 42-45 cm wovon 7,5 bis 8,5 cm auf den schwarzen, dünnen, sanft aufwärts gebogenen Schnabel und 8 bis 10 cm auf die langen, bläulichgrauen Beine die den Schwanz im Flug weit überragen entfallen. Das Gefieder ist überwiegend weiß, Scheitel, Nacken, Flügelspitze ( ca. 2/3 der Handschwingen ), ein breiter Streifen auf den Armschwingen und ein Schulterstreifen sind schwarz. Die Geschlechter sind identisch gefärbt. Bei Jungvögeln sind die im Adultgefieder schwarz gefärbten Gefiederpartien bräunlich, der Rücken bräunlich isabellfarben.
Der typische, oft vorgetragene Flug- und Kontaktruf ist ein lautes aber melodisches wie „klüit“ klingendes Flöten.

Verbreitung und Biotop
Der Säbelschnäbler ist Brutvogel an den Küsten Nord-, Mittel- und Südeuropas sowie an Binnengewässern. Da er in weiten Teilen völlig fehlt wirkt seine Verbreitung inselartig. In der Türkei, Ukraine, Ost- und Südafrika sowie in Südost-Mitteleuropa ist die Art auch in Steppen und Halbwüsten verbreitet. Seit 1920 konnte durch Landgewinnungs- sowie Schutzmaßnahmen in Europa eine Erholung bzw. Neuansiedlung der Bestände gefördert werden.

Es werden salzhaltige Seichtwasserzonen an Küsten, Flussmündungen, Brackwasserseen und Binnengewässern vom Säbelschnäbler bewohnt. Außerhalb der Brutzeit die in der Natur von April bis in den Juni reicht ist er vorwiegend an Küsten anzutreffen. Der Abzug ins Winterquartier das hauptsächlich an der Atlantikküste von der Bretagne bis Gambia, dem Mittelmeer bis zur Sahelzone, ferner in Vorderasien, Hinter- und Vorderindien liegt beginnt im August. Bereits Mitte März bis Anfang April treffen die Vögel wieder an den Brutplätzen ein. Bei günstigen klimatischen Verhältnissen überwintern die Säbelschnäbler oftmals schon in ihrem Brutgebiet.

Ernährung
Der Nahrungserwerb erfolgt durch Durchseihen des Wassers bzw. von Schlick indem der leicht geöffnete Schnabel an der Wasseroberfläche hin- und hergeschwungen wird. Dabei waten die Vögel rasch durch das seichte Wasser. Beim „sozialen Säbeln“ schreiten mehrere Vögel in einer Kette durch das Wasser und fischen mit waagerechten bis senkrechten Schnabelschwenkungen hochgewirbelte Kleintiere auf.
Die Nahrung besteht aus Insekten und deren Larven, kleinen Wirbellosen, Crustaceen, Mollusken und gelegentlich kleinen Jungfischen.
Bei der Gemeinschaftshaltung verschiedener Limikolenarten in Eekholt erfolgt die Fütterung mit einer Insekten Weichfuttermischung, kleinen Stinten bis ca. 5cm Länge, Pellets für Kraniche und extrudierten Kroketten der Fa. Lundi die in verschiedenen Größen – Exquisit und Micro – (welches auch als Aufzuchtfutter dient ) gereicht werden. Diese Kroketten enthalten Fischmehl, Weizen, Mais, Luzernegrünmehl, Hefe, Garnelen, Spirulinaalgen sowie eine Mineralstoffmischung. Angeboten werden diese Pellets und Kroketten leicht schwimmend in flachen Wasserschalen die wiederum in flachen, größeren Schalen stehen um ein verschmutzen des trockenen Sandes im Innenraum zu vermeiden. Die Fütterung erfolgt täglich wobei auch alle Schalen ausgewechselt werden.

Unterbringung:
Die Säbelschnäbler sind in einer größeren Limikolenanlage untergebracht und werden dort mit folgenden Arten vergesellschaftet: Stelzenläufer (Himantopus himantopus), Sandregenpfeiffer (Charadrius hiaticula), Kiebitzregenpfeiffer (Pluvialis squatorala), Kiebitz (Vanellus vanellus), Alpenstrandläufer (Calidris alpina), Kampfläufer (Philomachus pugnax), Rotschenkel (Tringa totanus) und Flussseeschwalbe (Sterna hirundo).
Diese Voliere verfügt über große Grasflächen die immer kurz gehalten werden, einen ca. 3m breiten, mit vereinzelten größeren Steinen, Schilf-, Binsen- und Grasbulten sowie Baumstämmen aufgelockerten Sandstrand und einen umfangreichen Wasserteil. Außerdem sind vereinzelt Pfähle mit einer Höhe bis zu 1,4m im Boden eingegraben auf denen besonders die Rotschenkel gern sitzen. Das Besondere an dem Wasserteil ist das dass Wasser 4- mal täglich über eine Zeitschaltuhr gesteuert automatisch langsam abgelassen wird und dann mit Frischwasser aus der benachbarten Aue ebenso langsam wieder aufgefüllt wird. So ist es möglich den Wechsel der Gezeiten wie an der Nordseeküste üblich, nur öfter und schneller, künstlich zu erzeugen. Da aber auch zwischenzeitlich über eine Pumpe durchgehend Frischwasser zugeführt wird haben die Vögel immer die Möglichkeit hier ihrem natürlichen Nahrungserwerb in Schlick, Seichtwasser oder Priel nachzugehen. Im Unterschied zu den Stelzenläufern schwimmen Säbelschnäbler auch in tieferem Wasser.
Die Füße besonders der Säbelschnäbler sind sehr empfindlich und entzünden sich bei Verschmutzungen mit Kot sehr leicht weshalb der Sandteil der Voliere auch täglich ausgeharkt und teilweise durchgesiebt wird um dem vorzubeugen.
Auch in der kalten Jahreszeit verbleiben die Vögel in dieser Anlage haben aber jederzeit die Möglichkeit einen isolierten Schutzraum aufzusuchen. In diesem sind in ca. 60 cm Höhe mehrere Elstein Strahler mit einer Leistung von 150 Watt aufgehängt die den Raum bis auf ca. +5° C. erwärmen und unter denen die Limikolen gern stehen.

Fortpflanzung
Nur ausnahmsweise erfolgt die erste Brut bereits im 1. Lebensjahr, in der Regel im 2., manchmal sogar erst im 3. Lebensjahr. Säbelschnäbler sind Koloniebrüter deren Nestbautrieb sehr unterschiedlich entwickelt ist. Das Nest wird offen am Boden in Sand, kurzgrasigen Flächen oder Kiesel dicht am Wasser errichtet und besteht zuweilen nur aus einer flachen Mulde ohne eingetragenes Nistmaterial manchmal werden aber auch „richtige“ Nester aus verschiedenen Materialien der Umgebung errichtet wobei beide Partner am Nestbau beteiligt sind. Das Weibchen fordert das Männchen mit gesenktem, vorgestrecktem Hals und Schnabel zur Begattung auf. Das Vollgelege besteht meist aus 4 hellbraunen Eiern mit dunklen Flecken die von Männchen und Weibchen 23 bis 25 Tage bebrütet werden. Schon kurz nach dem Trockenwerden verlassen die gelblich-weißen mit schwarzer Linienzeichnung versehenen Jungen das Nest. Bereits mit einem Tag sind junge Säbelschnäbler in der Lage zu schwimmen und selbständig Nahrung aufzunehmen. Während der Aufzucht werden von den Paaren kleinere Reviere verteidigt. Beide Elternteile beteiligen sich an der Führung der Jungen die im Alter von ca. 6 Wochen selbständig sind.

Literatur:
E. Bezzel „Kompendium der Vögel Mitteleuropas“ Aula Verlag
W. Makatsch „Die Limikolen Europas“ Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin
Beaman / Madge „Handbuch der Vogelbestimmung“ Ulmer Verlag

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