Der nachstehende Bericht über die Singdrossel wurde mir freundlicher Weise von
T. Ratjen (AZ 15034) zur Veröffentlichung überlassen.
 

* Eine Anmerkung zur wissenschaftlicher Einordnung der Singdrossel. Der Autor T. Ratjen folgt der Systematik v. H. E. WOLTERS.

Da ich mich aber bei allen Berichten an Howard & Moore halte, stelle ich hier beide Systematiken nebeneinander

 

In der Systematik nach H.E. WOLTERS (1975 bis 1982) ist die Singdrossel wie folgt gelistet:

Ordnung: Passeriformes – Sperlingsvögel
Familie: Muscicapidae – Sänger
Unterfamilie: Turdinae – Drosseln
Gattung: Cichloselys
Art: Cichloselys philomelos
Unterarten: C. ph. philomelos (C.L. Brehm, 1831), C. ph. clarkei (Hartert, 1909), C. ph. hebridensis (Clarke, 1913), C. ph. nataliae (Buturlin, 1929)
 

Systematik bei Howard & Moore
Ordnung: Passeriformes
Familie: Turdidae
Gattung: Turdus
Art: Turdus philomelos

 Turdus philomelos hat 4 Subspezies
* Turdus philomelos philomelos
* Turdus philomelos clarkei
* Turdus philomelos hebridensis
* Turdus philomelos nataliae

Deutsch: Singdrossel
Englisch: Song Trush
Französisch: Grive, Grive musizienne
Holländisch: Zanglijster

 

Singdrossel

Singdrossel

Juv. Singdrossel1

Singdrossel kurz nach dem Ausfliegen

Fotos © T. Ratjen

Junge Singdrosseln und Ei1

Ei und Junge der Singdrossel

Junge Singdrosseln1

Junge Singdrossel

Juv. Singdrossel braune Mutante

Singdrossel, braune Mutante

Beschreibung
Länge ca. 23 cm. Oberkopf braun, restliche Oberseite olivbraun bis graubraun. Schwanz- und Schwungfedern braun, eine kurze weißliche bis ockergelbe Fleckenreihe auf den großen Armdecken. Unterflügeldecken und Achselfedern zimtorange. Kinn und Kehle hell rahmfarben bis beige, Hals und Vorderbrust intensiver rahmfarben. Hinterbrust und Bauch weißlich. Auf der Unterseite ist die Singdrossel dunkel gefleckt: Kinn- und Kehlseiten länglich, an der Vorderbrust befinden sich rundliche bis V-förmige Flecken die zum Bauch hin spärlicher werden. Männchen und Weibchen sind gleich gefärbt. Juv. sind oberseits zimtgelb gefleckt, unterseits gelblicher als Altvögel.
Der laute, aber schöne und abwechslungsreiche Gesang, der auch Imitationen enthalten kann, wird meist in der Abenddämmerung vorgetragen. Sitzen die Männchen dabei in der Natur gern auf Baumspitzen, werden auch in der Voliere freie, höher gelegene Plätze bevorzugt.

Verbreitung und Biotop
Das Verbreitungsgebiet der Singdrossel erstreckt sich von Westeuropa bis zum ostsibirischen Baikalsee. Fast ganz Europa ist besiedelt, auf der iberischen Halbinsel gibt es bis nach Südspanien aber nur kleine Vorkommen. In Südaustralien und Neuseeland wurde sie eingebürgert. Die mitteleuropäischen Brutvögel ziehen von Mitte September bis Oktober in Südwestrichtung nach Frankreich, auf die iberische Halbinsel und nach Nordafrika. In die Brutgebiete kehren sie oft bereits Ende Februar wieder zurück.
Die Art bewohnt vorwiegend Fichten- und Tannenwälder mit viel Unterholz, im reinen Laubwald ist sie seltener. In Feldgehölzen, Parkanlagen, größeren Gärten und auf Friedhöfen ist sie ebenfalls Brutvogel.

Unterbringung
Die Drosseln sind bei mir paarweise in Volieren von 10 und 15m² Größe bei einer Höhe von 2,2m untergebracht. Bepflanzt sind die Volieren mit Eibe, Fichte, Kiefer, Holunder, Johannesbeere und Bambus. Die meiste Zeit des Tages hält die Singdrossel sich am Volierenboden auf, gibt man hin und wieder frische Erde oder im Herbst auch Laub in die Voliere sucht die Singdrossel darin unermüdlich nach Insekten und Würmern.
Eine Vergesellschaftung bereitet nur in der Hinsicht Probleme, das kleine Arten oft von der gerade zur Brutzeit stürmischen Art der Drosseln gestört werden. Da meine Volieren im hinteren Bereich an drei Seiten geschlossen und vollständig überdacht sind können die Singdrosseln auch ganzjährig darin verbleiben. Da Singdrosseln sehr gern baden sollte auch immer eine größere Schale mit frischem Wasser zur Verfügung stehen.
Harmonierende Paare kann man in der Regel das ganze Jahr zusammen lassen. Stellt man ein neues Paar zusammen sollte man die Vögel anfangs viel beobachten da sie auch sehr aggressiv aufeinander reagieren können, was zu tödlichen Verletzungen führen kann. Diese Paare muss man wieder trennen und es zu einem späteren Zeitpunkt nochmals versuchen oder sie anderweitig verpaaren. Um die Geschlechter zu bestimmen ziehe ich bei den Vögeln jeweils eine Schwanzfeder und schicke sie zum IMDB (Institut für Molekulare Diagnostik Bielefeld, siehe Anzeige in den AZN). Bisher wurden alle eingereichten Proben dort zuverlässig bestimmt.

Nahrung
Im Sommerhalbjahr ernährt die Singdrossel sich in der Natur vorwiegend von Regenwürmern, Imagines, Puppen und Larven von Käfern, Nackt- und Gehäuseschnecken die auf harten Unterlagen wie z. B. Steinen (den so genannten „Drosselschmieden“) aufgeschlagen werden. In den Wintermonaten werden auch Früchte und Beeren aufgenommen.
In der Voliere ernähre ich die Singdrossel mit einem groben Weichfutter der Fa. Claus das mit hartgekochtem Ei, Hüttenkäse, aufgeweichten Hundepellets oder einem Keimöl angefeuchtet wird. Dazu gebe ich Mehlkäferlarven und gefrorene Pinkies die ebenfalls mit Öl angefeuchtet und mit Korvimin bestäubt werden. Regenwürmer werden besonders zur Jungenaufzucht in flachen Behältern mit leicht feuchter Erde gereicht. Kann man diese nicht selbst suchen ist es auch möglich sie in Angelgeschäften käuflich zu erwerben. Mein Zuchtfreund Klaus Häming beschlagnahmt während der Zuchtzeit immer die Komposthaufen in seiner Nachbarschaft was ihm reichlich Würmer für die Aufzucht sichert. In größeren Volieren ist es auch möglich einen Komposthaufen zu integrieren. Die Drosseln suchen darin dann selbst häufig nach Würmern und Insekten. Gehäuseschnecken werden wenn vorhanden gereicht, auch in der Voliere kann man dann das interessante Verhalten beim Aufschlagen beobachten. In den Wintermonaten wird die Gabe von Lebendfutter deutlich reduziert und fast ausschließlich das angefeuchtete Weichfutter, ohne Ei oder Hüttenkäse, gegeben. Dazu bekommen die Drosseln noch Welpenpellets (Royal Canin A3) und verschiedene Beeren.

Zucht
Bei schönem Wetter kann man oft schon im Februar den Gesang der Männchen hören. Der eigentliche Beginn der Brutzeit liegt aber meist Ende März Anfang April. Bei der Wahl des Neststandortes sind die Weibchen nicht sehr anspruchsvoll, gern wird das Nest in größere Körbchen, die mit ein wenig Grün verkleidet wurden, freistehend in Koniferen oder auch einfach auf einem Balken oder Nistkasten für Höhlenbrüter errichtet. Die Höhe des Neststandortes variiert auch beträchtlich, wurde das Erstgelege auf einem Balken unter der Volierendecke angelegt kann sich das zweite Gelege auch in einer kleinen Fichte kurz über dem Boden befinden. Außen besteht das Nest aus groben Gräsern, feinen Zweigen und ähnlichem Pflanzenmaterial, nach innen wird das Nistmaterial feiner. Anstatt einer weichen Auspolsterung wird das Nest mit feuchtem Holzmulm oder Lehm ausgekleidet, ist dieses in der Voliere nicht vorhanden wird auch Muttererde genommen welche nach der Austrocknung aber schnell zerfällt. Die meist 4 bis 5 Eier werden allein vom Weibchen 12 bis 14 Tage lang bebrütet. Nach 13 bis 15 Tagen verlassen die Jungen noch flugunfähig das Nest und halten sich am Boden, in der Vegetation verborgen, auf. Sind die Jungen ca. 14 Tage nach Verlassen des Nestes selbständig sollte man sie aus der Voliere entfernen da sie die Folgebruten stören können. Lässt man die Vögel gewähren sind in der Voliere vier Jahresbruten keine Seltenheit, spätestens nach 3 erfolgreichen Bruten beschließe ich aber die Zuchtsaison um die Paare nicht über Gebühr zu strapazieren.

Fazit
Gerade für den Anfänger in der Weichfresserhaltung und -zucht ist die robuste, liebenswerte Singdrossel sehr zu empfehlen. Die vergleichsweise einfache Pflege und Zucht stellt den Halter vor keine allzu großen Probleme.

Literatur:
E. Bezzel „Kompendium der Vögel Mitteleuropas“ Aula Verlag
Melde / Melde „Die Singdrossel“ NBB
T. Wendt „Einheimische Singvögel halten und züchten“ Ulmer
Limbrunner, Bezzel, Richarz, Singer „Enzyklopädie der Brutvögel Europas“ Kosmos
AZ-Lexikon