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Erstzucht Rotschnabeltoko (Tockus erythrorhynchus) I m Jahre 2001 habe ich schon einmal 1,1 Rotschnabeltoko besessen. Auch damals kam es zur Brut. Es wurden vier Eier gelegt, alle waren befruchtet, jedoch kurz vor dem Schlupf war 0.1 verstorben. Die Jungen im Ei waren vollkommen entwickelt. Dann habe ich jahrelang versucht eine 0,1 zu bekommen. aber es blieb beim Versuch. Am 18.05.06 kam ich glücklicherweise in den Besitz von 1,1 Rotschnabeltokos. Selbige wurden in ein zu DDR-Zeiten als Orchideen- und Südfrüchte-Gewächshaus genutztes Gehege mit einer Grundfläche von 80 m2 Grundfläche fliegen gelassen. Darin sind auch Zuchtboxen und Kleinvolieren aufgestellt, um darin erfolgreiche Winterbruten durchzuführen. Die Vögel haben sich gut eingelebt und ihre anfängliche Scheu bald abgelegt. Das Paar harmonierte gut und ich konnte sehen, wie der 1,0 die 0.1 fütterte. Auch hörte ich aus der Ferne minutenlang das Balzgeschrei des 1,0. Es wurden nun drei verschiedene Brutkästen in 2.8 m Höhe aufgehängt, 2 Bretterkästen und eine Naturstamm-Nisthöhle. Der erste Nistkasten wurde bald inspiziert und das Schlupfloch links und rechts mit Lehm verklebt. Ich wollte nachsehen, ob eventuell schon ein Ei gelegt wurde, jedoch es war leer. Nur die verrotteten Holzteile, welche ich in jeden Kasten getan hatte, waren alle ausgeräumt. Es waren dafür Federn, Foliestreifen, Plaststücke sowie zerschlissene Pappe eingetragen. Nach meiner Kontrolle wurde diese Kiste nicht mehr angenommen, dafür der 2 m entfernt hängende Holzkasten mit Lehm beklebt, welchen ich in einer Tonschale feucht angeboten hatte. Das Loch war bis auf ca. 3cm zugeklebt. Und wieder wollte ich wissen, ob bereits ein Ei vorhanden war, aber auch hier nichts dergleichen. Nun hatte der 1,0 den Deckel mit einer dicken Lehmschicht und auch die Wand zugeklebt. Jedoch am nächsten Tag wurde der daneben hängende Naturstamm zugeklebt. Die Zeit drängte, denn der Legebauch hatte sich inzwischen ganz schön vergrößert. Etwa gegen 14 Uhr war bis auf den Schlitz alles zugeklebt. Die Öffnung beträgt ca. 12 x 70 mm. Die im Kasten befindliche 0.1 ist nun extrem abhängig vom 1,0. Es war am 12.7.06, zu dieser Zeit große Hitze mit tagsüber 34°C im Schatten, im Glashaus sogar 38°C, obwohl das Dach stark schattiert war. Am 14.7. hörte ich tolles Flattern in der Beute, ich vermute Sauerstoffmangel durch die große Hitze. Der 1,0 fütterte gut. Nach jeder Futtergabe bedankte sich die 0,1 mit einem quakenden Ton. An Futter wurden angeboten: Grashüpfer, Heuschrecken, Zophobas, Mehlwürrner, nackte und halbwüchsige Mäuse, Schnecken mit Haus, welche zerkleinert wurden, Insekten-Trockenfutter mit hart gekochtem Ei, geriebene Möhren, kleingeschnittener Löwenzahn mit Vitaminkalk, bunte und Beo-Perlen sowie Sepiaschalen und rote Taubensteine. Selbst frische Wachteleier, welche auf dem Tisch unter einem Haushaltssieb aufbewahrt wurden, waren nicht sicher. Die Eier wurden hervorgeholt und teilweise durch den schmalen Schlitz verfüttert. Wie jedoch das Trinkwasser zu der 0,1 gebracht wurde, konnte ich nie beobachten. Dem Trinkwasser wurde zweimal pro Woche ein Multivitaminpräparat beigefügt. Die Tokos sind Weichfresscr und der Kot ist wässrig. Er wurde mit einem gezielten Schuss bis 1,5 m durch den Schlitz befördert. Die Höhe vom Boden bis zum Anfang des Schlitzes beträgt 16cm. A m 4.8.06 erlaubte ich mir die erste Nestkontrolle. Als ich die Beute abhängte und den Deckel öffnete, bekam ich einen Schreck, denn die 0,1 lag auf der Seite und ich konnte vier Eier sehen, wovon drei dunkel waren. Ich war schockiert über den Anblick. Doch nach einer Weile sah ich, dass sie atmete. Also hatte sie sich tot gestellt. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie schon alle Schwung- und Schwanzfedern verloren und am Rand rundherum aufgestellt. Sie ließ sich ohne weiteres anfassen. Was mich am 9.8.06 bei der nächsten Kontrolle überraschte, war, dass der Deckel ganz schwer zu öffnen war. Sie hatte sich vom 1,0 Lehm bringen lassen, um von innen den Rand zum Deckel zuzukleben Um eine bessere Luftzirkulation zu erreichen, hatte ich eine kleine Leiste unter den Deckel geschoben. Die Lücke passte der 0,1 nicht und wurde deshalb von innen wieder zugeklebt. Von diesem Zeitpunkt an habe ich täglich Kontrollen durchgeführt, die Leiste und allen Lehm entfernt, auch die Schale mit dem Lehm, welcher inzwischen hart geworden war. Mir war auch bekannt, dass manche Züchter Tatar füttern, den auch ich jetzt anbot. Nach kurzer Zeit war alles weg. Ich war froh, dass ich nun nicht mehr soviel Lebendfutter brauchte. Als ich jedoch die nächste Kontrolle vornahm, konnte ich sehen, dass die Aufhängung mit dem Tatar verklebt war. Am 16.8.06 wollte ich die Eier schwemmen, weil mir die Zeit zu lang war. Doch als ich den Deckel öffnete, sah ich den ersten Jungvogel. Die 0,1 zeigte sich wie an all den anderen Tagen auf der Seite liegend wie tot. Am 22.8.06 schlüpfte das zweite Jungtier. Das Gefieder der 0,1 war inzwischen ganz schön gewachsen. Am 26.8. wollte die 0,1 erstmals ihre Jungen beschützen, sie schrie und biss. Die restlichen Eier habe ich entfernt. In einem war das Jungtier stecken geblieben, das andere war unbefruchtet. Seit dem Schlupf habe ich täglich 12 große Heuschrecken, 40 Zophobas, ca. l 00 Mehlwürmer. ca. 100 Grashüpfer, zwei nackte Mäuse, bunte und Beo-Perlen sowie Insekten - Eifutter angeboten, was bis auf die Beo-Perlen auch alles verbraucht wurde. Auch wurden täglich 3 - 4 Schnecken mit Haus verfüttert. Ganz interessant ist es zuzuschauen, wie geschickt der 1,0 eine halbwüchsige Maus solange mit dem Schnabel auf einen etwas stärkeren Ast schlägt, bis sie so platt ist, dass sie durch den Schlitz passt. Als die 0,1 eine Maus nicht im Schnabel halten konnte und herunterfiel, habe ich mit dem Messer die Öffnung etwas verbreitert. Nach kurzer Zeit war aber alles wieder ausgebessert. An Obst und Früchten habe ich noch angeboten: Himbeeren, Johannisbeeren, Weintrauben, Holunderbeeren und Ebereschen. Den Kot der Jungtiere entsorgt die 0,1 mit dem Schnabel. Somit bleibt das Nest immer trocken. Am 29.8.06 konnte der erste Jungvogel beringt werden, der zweite am 4.9.06. Die Jungen wachsen gut. Es ist ein schönes Bild, die drei Vögel mit dem Schwanz nach oben zu sehen. Inzwischen reagiert die 0.1 nicht mehr auf meine Störungen, weil ich sie täglich mit ruhiger Stimme ansprach und auch streichelte. Seit die Jungen fast befiedert sind, befördern sie ihren Kot ebenfalls durch den schmalen Schlitz. Am 13.9.06 fängt die 0,1 an, den Lehm mit dem Schnabel abzuklopfen, gegen 15 Uhr war sie wieder im Freiflug und füttert nun zusammen mit dem 1.0 die Jungen. Kaum hatte die 0,1 den Nistkasten verlassen, wurde die Öffnung von den Jungen wieder zugeklebt. I ch vermute, mit ihrem Kot, denn sie finden nichts weiter zum Verarbeiten. Auch dauerte es zwei Tage bis der Schlitz wieder fertig war. Am 22.9.06 versuchte das erste Junge den Schlitz zu verbreitern, klebte ihn dann aber doch wieder zu. Am 24.9.06 beginnt um 8 Uhr das Junge die Öffnung zu vergrößern, um 13 Uhr war ein Junges ausgeflogen. Das zweite brauchte fast drei Tage, um den Schlitz wieder wie gewohnt herzurichten. Sicher weil nur Kot von einem Jungvogel vorhanden war. Auch wurde die letzte Wandung nur halb so stark. Das zweite Junge ist ein männlicher Vogel, welcher am 3.10.06 gegen 11.15 Uhr die Öffnung so groß geklopft hatte, dass er sich durchzwängen konnte. Die Jungvögel sind sehr fluggewandt und gar nicht scheu und das deshalb, weil ich täglich bei den Nestkontrollen die Jungen in die Hand nahm und sie streichelte. Auch ist noch betonenswert, dass die Jungvögel kräftiger als ihre Eltern sind, was wohl von der guten Fütterung kommt. Für mich und alle, die das Brutverhalten sehen konnten, war es eine große Freude mit ansehen zu können, wie intelligent es in der Natur zugeht, um überleben zu können.
Anschrift des Autors: Heinz Gehlmann Siedlung 20 Gebershach 04720 Zlegra-Knobelsdorf |