Arbeitsgruppe Weichfresser e.V. - Für Freunde der Weichfresser

Gruppenhaltung von Ufermainas

27 Feb, 2018

Gruppenhaltung von Ufermainas

Ufermaina   (Acridotheres ginginianus)   engl.: Bank Myna

Latham 1790

Text und Fotos: B. Simon

Ufermainas werden meist in einer paarweisen Unterbringung in gut bepflanzten Volieren mit verschiedenen Nistkästen gehalten. Es lohnt sich aber, zu überlegen, warum diese Vögel diesen Namen tragen und wie wir aus dieser Überlegung heraus die Haltungsbedingungen für die Tiere verändern können.

Ufermainas sind, schon auf Grund ihrer Ähnlichkeit mit dem zeitweise sehr häufig gehaltenen Hirtenmaina (Acridotheres tristis), zumindest den Weichfresserfreunden bekannt. Sie sind mit 20 – 23 cm kleiner als Hirtenmainas und unterscheiden sich deutlich durch ihre Gefiederfarben (siehe Fotos) von ihnen. Beide Geschlechter sind nicht zu unterscheiden. Die Brutzeit geht von März bis August, liegt aber hauptsächlich zwischen April und Juni. Es werden bis 5 Eier pro Gelege etwa 13 Tage bebrütet. Die Nestlingszeit beträgt 20 – 22 Tage.

Ufermainas leben in Nord- und Zentralindien, in Bangladesch, Nepal und Ostpakistan. Sie sind also in einem Territorium beheimatet, das sich von gemäßigten über subtropische zu tropischen Klimazonen erstreckt. Je nach Herkunft leben sie folglich in Zonen, in denen das Wetter durchaus mit dem hiesigen vergleichbar ist, bis hin zu Gebieten mit wechselnden Trocken- und Regenzeiten, in denen während der Regenzeiten 95 % Luftfeuchtigkeit und Temperaturen von 35 – 40°C gemessen werden.

Sie siedeln in kultivierten Gegenden, in der Nähe menschlicher Siedlungen, hauptsächlich an Flusstälern. Hier suchen sie unter anderem zwischen Viehherden, auf Märkten und Müllhalden nach Fressbarem. Ufermainas leben gesellig, auch während der Brutzeit, in Schwärmen.

Auf letzterer Aussage basierte meine Annahme, dass sich die Vögel in der Gemeinschaft wohler fühlen müssten.

Der von mir verwendeten Literatur war auch zu entnehmen, dass Ufermainas in Kolonien Flussufer, Ziegelöfen oder Brunnen beziehen. Dort graben sie Tunnel von bis zu 1m Länge, bei lockerem Material werden diese noch tiefer. Der Abstand zwischen den einzelnen Einstiegslöchern beträgt manchmal nur knapp 15 cm. Die Gänge selbst sind 7 – 10 cm breit und weisen so steil nach unten, dass die Vögel fast senkrecht die Höhle verlassen müssen. Am Ende eines Ganges wird eine Kammer von ca. 21 cm Länge und 18 cm im Durchmesser geschaffen, in die das Nest mit Strohhalmen, Federn, Plastikteilen und oft auch Fetzen von abgestreifter Schlangenhaut gebaut wird.

Herausragende Vermehrungserfolge waren nicht das primäre Ziel bei der Umgestaltung meiner Voliere. Wenn meine Unternehmungen allerdings durch nur einige Nachzuchterfolge gekrönt worden wären, hätte es mich schon gefreut. Die Erwartungen lagen eher auf einer eventuell zu beobachtenden Änderung der Aktivitäten der Ufermainas durch die Gemeinschaftshaltung.

Etliche Angaben über Verhaltensweisen von Tieren in ihrer Heimat halte ich für maßgeblich für die Gestaltung der Haltungsmöglichkeiten bei uns, was sich nebenbei auch für uns als Beobachter lohnt. So glaube ich u.a., dass das Brutverhalten nicht nur für die Vermehrung entscheidend ist, sondern auch für die Lebensqualität der Vögel eine Rolle spielt. Meinen Ufermainas habe ich deshalb, der heimatlichen Umgebung entsprechend, die Voliere umgestaltet. Im zeitigen Frühjahr 2017 baute ich in einer Voliere (6m x 3m x 2m, ohne Schutzhaus) die Rückwand um. Dieser hintere Teil ist über die gesamte Breite 2 m überdacht. Diese Rückwand bestand aus Brettern. An diese Bretterwand setzte ich, auf einem Streifenfundament, eine Wand aus Strohleichtlehmsteinen. Diese kamen von der (auf Grund der Qualität erwähnenswerten Firma) „Lehmbaumanufaktur Krummenhagen“, Inh. E.Zietz. Die Steine hatten die Maße 23 cm x 16 cm x 30 cm, 72 Steine waren ausreichend für 6 m². Aus 0,3 t Lehmmörtel wurden der Mörtel und der Putz gefertigt. (Der Gesamtwarenwert lag unter 250,-€.)

Mauerbau

In einer Höhe von 1,8 m habe ich Spalten (8 cm x 10 cm) im Abstand von ca. 30 cm zueinander ausgespart, um hier den Vögeln die Möglichkeit für die Tunnelbauten zu geben. Die Strohleichtlehmsteine sind von der Machart so, dass sich kein Vogel direkt hineinarbeiten könnte. Fünf Spalten gab es. Unterhalb dieser Spalten habe ich eine Art Balustrade gesetzt. Sie ermöglicht den Vögeln einen guten Anflug und verhindert, wie sich später erwies, das Bekoten der gesamten Wand. Die Spalten selbst wurden so angelegt, dass die Tiere später relativ steil nach unten graben konnten. Allerdings war es mir nicht möglich, Gänge über 50 cm Länge anzulegen. Dazu waren die Steine zu schmal. Hinter der Wand, also am Ende eines jeden Ganges, befestigte ich Nistkästen mit den Innenmaßen 18 cm x 25 cm x 28 cm. Diese Kästen füllte ich bis zu den Einstiegslöchern im oberen Bereich mit der selben Sand/Lehmmischung, mit der ich auch die Spalten, bzw. zukünftigen Gänge, auf gesamter Länge fest verfüllte. Sie hatte einen geringeren Lehmanteil und war damit nicht so fest wie der Putzmörtel.

 

Im Herbst 2016 war mein Bestand von einem Weibchen, dass ein halbes Jahr mit einem Grünschwanzglanzstar (Lamprotornis chalybeaus) zusammenlebte und bis dato keinen einzigen für mich hörbaren Laut von sich gegeben hatte, auf acht Tiere (Geschlechterverhältnis 4,4) angewachsen. Alle Tiere kamen aus der paarweisen- oder Einzelhaltung, waren zwischen 2010 und 2015 geboren worden und garantiert untereinander blutsfremd.

Über den Winter waren sie alle in einer Innenvoliere untergebracht. Trotz des relativ beengten Raumes gab es nur gelegentlich Streitereien. Hierbei ging es ihnen ausschließlich darum, ihren Platzanspruch geltend zu machen und den Abstand zum Nachbarn nach links und rechts auf ca. eine Handbreite klarzustellen. Das bisher „stumme“ Weibchen war nur noch anhand des Ringes von den anderen Tieren zu unterscheiden. Es war eine laute, ständig in Bewegung befindliche Schar.

Am 05. April 2017 war ich mit dem Bau der Lehmwand in der Ufermaina-Voliere fertig. Bepflanzt war sie mit je einer auf anderthalb Meter gestutzten Scheinzypresse und einer Tanne, sowie einem Johannisbeerstrauch als Blätterlieferant während des Nestbaus. Die Scheinzypresse war und ist außerhalb der Brutzeit der Schlafplatz der Mainas. Auf dem Boden wurde geringer Bewuchs gelassen, da ich schon bei vielen Starenarten beobachten konnte, dass sie sich lieber auf relativ freien Flächen bewegen.

Eine große Steingutschale mit Wasser dient als Bademöglichkeit. Futterschalen stehen auf einem großen flachen Stein. Hier gebe ich eine Mischung aus Fertigfuttern, die zu gleichen Teilen aus Uni Patee Premium mit Spirulina von Versele Laga und Claus Fettallein Braun Typ III besteht. Dazu gebe ich T16 von Versele Laga, Mehlwürmer und Zophobas und Pinkys. Die Pinkys werden in recht großen Mengen prinzipiell als erstes gierig verschlungen. Äpfel, Birnen, Kaki, große Pflaumen, Feigen oder Kaktusfrüchte werden, angeschnitten auf einen Ast gespießt, gern gefressen. Eine Mischung aus Getreidekörnern, Tauben- und Kanarienfutter rührten sie nicht an.

Zwei Tage nach dem Einsetzen der Vögel in die Voliere begannen die Mainas bereits am 11. April mit dem Graben der Gänge an den vorgesehenen Stellen. Vier Tage später waren die Durchbrüche zu zwei Kästen fertig. Trotzdem sich nur vier Paare bilden konnten, waren alle fünf Gänge am 18. April komplett aufgegraben.

In der Folgezeit stellte sich heraus, dass sich nur drei Paare fanden. Sie erkannte man gut, da sie selbst nach hektischem Auffliegen dicht nebeneinander landeten und dann enger zusammenrückten. Den sonst typischen handbreiten Abstand gab es bei den Paaren nicht mehr. Beim Absuchen des Bodens liefen sie zügig, einander dicht folgend, leicht versetzt hintereinander her. Den Futterplatz verteidigten oder erstritten Paare immer gemeinsam. Die beiden „Single“ saßen stets getrennt.

Am 18. April gab ich Nistmaterial in die Voliere, als die Vögel begannen, Grashalme durch das Volierengitter zu ziehen. Neben Kokosfasern, Heu und trockenem alten Buchenlaub gab ich Fetzen von einer Schlangenhaut. Das Gebaren der Vögel war hierbei spektakulär. Noch während ich beim Zerpflücken und Verteilen der Haut war, flogen sie hektisch und zeternd den Stücken nach. Sie griffen, was sie fassen konnten und schleppten es in die Kästen. Oftmals wurden die Hautfetzen erstmal nur in den Gang gestopft, um erneut schnell sammeln zu können.

Der Literatur zufolge graben die Männchen. Sie heben das Nest aus und tragen Stroh und trockenes Gras ein. Die Weibchen bringen in der letzten Etappe frische grüne Blätter. Beobachten konnte ich dies nicht. Nach meiner Meinung waren alle Tiere gleich aktiv. Ich konnte nicht einmal ausmachen, was die Einzelgänger während dieser Zeit taten. In allen Kästen lag Nistmaterial, aber in dreien waren deutlich Nestbauten zu erkennen. Zu dieser Zeit schliefen die Vögel auch in den Höhleneingängen.

Am 10. Mai lagen Eierschalen auf dem Boden und Kotballen im Futternapf, folglich waren Jungtiere geschlüpft. Bei einer Nestkontrolle am 12. Mai konnte ich insgesamt in drei Kästen 14 Jungtiere zählen (5/4/5). Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und Ablenkungsmanöver folgte, was schon oft bei anderen Arten nach einer Nestkontrolle passiert. Am 22. Mai konnte ich nur vier Jungtiere mit offenen Ringen beringen. Alle anderen waren weg bzw. stark verwest im Kasten. Am 24. Mai habe ich die beringten Jungen tot in der Voliere aufgesammelt. Sie waren übersät mit kleinen Wunden, vermutlich durch Schnabelhiebe.

Die Brutversuche schienen synchron zu laufen, denn am 30. Mai waren in drei Kästen insgesamt 8 Eier (3/2/3) zu finden. Am 25. Juni kontrollierte ich erneut, da es stark aus einem Kasten stank. Hier fand ich lediglich noch ein verwesendes Jungtier. Die anderen Kästen schienen schon längere Zeit verlassen, wahrscheinlich seit der Kontrolle Ende Mai.

Es gab noch einen dritten Brutversuch. Zwei Höhlen wurden intensiver angeflogen als die anderen. Dieses Mal hielt ich mich zurück und unternahm keine Kontrolle. Am 24. Juli gab es ein ungewohntes Gezeter der gesamten Schar, als ich die Voliere zur Fütterung betrat. Noch größer wurde die Aufregung – die Tiere verringerten auffallend die Distanz zu mir, als ich ein am Boden liegendes unversehrtes, aber noch nicht komplett befiedertes Junges aufhob und in den darüberliegenden Höhleneingang schob.

Am 27. Juli verließ ein Jungvogel eine Bruthöhle und konnte bereits 3 Tage später problemlos vom Boden aus auf einen Ast in 1,8 m Höhe fliegen. Seine Fähigkeiten ließen aber in der Folgezeit nach, das Tier (ein Weibchen) erblindete. Die Eltern fütterten es noch etwa 24 Tage und ließen dann der Natur ihren Lauf.

Mit dem Tod des einzigen Jungtieres zerfiel auch die Paarbindung der Eltern. Die anderen Paare bestanden schon vorher nicht mehr. Heftige Streitereien am Futter gab es nur während der Brutzeit und waren nun vorbei. Alle Tiere sitzen wieder im typischen Abstand zueinander. Aktionen werden wieder gemeinsam als Trupp durchgeführt. Ufermainas gehören zu den Vögeln, die in der gesamten Voliere aktiv sind. Sie laufen am Boden, klettern in den Sträuchern nutzen den oberen Flugbereich. Entsprechend finden sie immer etwas, was sie interessiert.

Eine Vermehrung meiner Ufermainas blieb 2017 also aus. Einige Gründe dafür könnten folgende sein:

  1. Es gibt Vogelarten, die stört eine Nestkontrolle weniger bzw. nicht. Diese Mainas hingegen stört sie schon. Nicht umsonst haben die Vögel ihre auffallende Nestbauweise. Das Schaffen einer lebensraumnahen Imitation ist folglich sinnlos, wenn man sich nicht an die natürlichen Regeln hält. Außer der eigenen Neugier (und eventuellen gesetzlichen Forderungen bei anderen Vogelarten) gibt es keinen Grund für derartige Kontrollen.
  2. Bekannt ist, dass man in der Weichfresservermehrung den Alttieren zur Jungenaufzucht nicht zu viel Futter in wenigen Gaben anbietet, sondern dieses eher in kleinen Rationen über den gesamten Tag verteilt gibt. Die Fütterung von 8 erwachsenen Tieren und 14 erwartbaren Jungen (1. Versuch), ist problematisch. Ich habe mehrmals täglich gefüttert und dabei unteranderem Lebendfutter in die Voliere gestreut, um die Tiere auch zu beschäftigen. Es gab immer kurze Zeiten, in denen kein Futter vorhanden war.
  3. Dominante Paare könnten den Nachwuchs von anderen Paaren töten. Dies ist sicher möglich, halte ich aber für ausgeschlossen, da ich niemals Streitereien direkt vor den Höhlen beobachten konnte. Auch sonst gab es kein aggressives Bedrängen oder Jagen. Auseinandersetzungen gab es lediglich zu den Fütterungen rund um den Futterplatz.
  4. In diesem Jahr klagen viele Weichfresserhalter über eine schlechte Reproduktion in ihren Beständen, denn das Wetter war dafür einfach nicht optimal.

Wie schon anfangs erwähnt, war nicht die Vermehrung von Ufermainas mein vordergründiges Ziel, sondern deren annähernd artgemäße Haltung. Dazu gehört nun mal das Leben in Gruppen und die Möglichkeit, artspezifisches Brutverhalten ausleben zu können. Das auch für ihre Haltung die Voliere nicht groß genug sein kann, ist klar. Trotzdem konnte ich den Vögeln die Möglichkeit geben, ein tief verwurzeltes Verhalten auszuleben. Immerhin taten sie das bei mir das erste Mal in ihrem Leben. Erwähnenswert ist auch, dass es nicht einen Moment gab, in dem man den Eindruck hatte, die Vögel würden sich langweilen oder wären außergewöhnlichem Stress ausgesetzt. Sie wirken, wenn man das so sagen kann, zufrieden mit sich und ihrer Umgebung.

Die Temperaturen werden bald dauerhaft die 15°C nicht mehr erreichen und die Ufermainas werden wieder gemeinsam ins Winterquartier umziehen. In Frühjahr 2018 wird die Gruppe die Außenvoliere vorfinden, wie im längst vergangenen Frühjahr 2017.

Bernd Simon      (September 2017)

Verwendete Literatur:

Chris Feare, Adrian Craig, Barry Croucher, Chris Shields and Kamol Komolphalin 1998

Christopher Helm (Publishers) Ltd, a subsidiary of A & C Black (Publishers) Ltd, 35 Bedford Row, London WCIR 4JH0-7136-3961-X

Der Beitrag ist bereits in der Zeitschrift „Gefiederte Welt“ Heft 1/2018, Seite 20 bis 24, erschienen.