Arbeitsgruppe Weichfresser e.V. - Für Freunde der Weichfresser

Graurücken- oder Gartendrossel

28 Jul, 2017

Graurücken- oder Gartendrossel

Die Graurücken- oder Gartendrossel

Cichloselys (Turdus) hortulorum

Th. Ratjen

Oftmals wird diese Art auch als Sibirische Gartendrossel bezeichnet was aber leicht zu Verwechslungen mit der Schiefer- oder Sibirischen Drossel (Zoothera sibirica) führt.
Obwohl die Graurückendrossel relativ häufig nachgezüchtet wird findet man fast keine Veröffentlichungen darüber sodaß für mich im Vorwege einige Fragen offen blieben. Daher möchte ich hier über meine Haltung und Zucht berichten.

  Männchen nach den Bad

Ordnung: Passeriformes – Singvögel
Familie: Muscicapidae – Sänger
Unterfamilie: Turdinae – Drosseln
Gattung: Cichloselys
Art: Cichloselys hortulorum

Es werden keine Unterarten beschrieben, damit ist die Art monotypisch.

Englisch: Grey-backed Trush
Französisch: Merle a dos gris
Niederländisch: Grijsruglijster
Spanisch: Zorzal Dorsigris
Italienisch: Tordo dorsogrigio

Verbreitung und Lebensraum:

Die Graurückendrossel ist von Ostsibirien (Ussurien und Jakutien) über Nordost – China bis nach Korea verbreitet. Die Art lebt hier relativ versteckt in unterholzreichen Eichen- und Mischwäldern.

Beschreibung:

Männchen adult: Kopf, Oberbrust und Oberseite graublau. Die Kehle ist weißlich, grau durchsetzt. Der Schnabel ist grau, zur Brutzeit (Mitte April bis August) ist er wachsgelb gefärbt. Die Flanken sind rostrot, diese Färbung läuft zur Brust fast bis zur Mitte aus. Der Bauch und die Unterschwanzdecken sind weiß. Die Schwingen sind graubraun. Der Gesang ist melodisch, aber laut und vergleichbar mit dem von Amsel und Singdrossel.
Männchen im ersten Jahr: Die von mir erworbenen Männchen hatten im ersten Frühjahr noch eine starke Fleckung auf der Brust, auch färbte der Schnabel zur Brutzeit noch nicht gänzlich wachsgelb um sondern war grau durchsetzt. Auf der Homepage des „Oriental Bird Club“ fand ich einige interessante Bilder zu dieser Art. Die hier abgebildeten Männchen im ersten Sommer tragen nach den Bildunterschriften ein Immaturkleid. In diesem Stadium gilt das Gefieder noch als unausgefärbt bzw. nicht voll entwickelt. Hierüber war in der mir zur Verfügung stehenden deutschen Literatur nichts zu finden! Im Laufe des Jahres wurde die Fleckung auf der Brust dann auch immer undeutlicher.
Jetzt, Mitte September sind die meisten Jungen durchgemausert und gut nach Geschlechtern zu trennen. Die jungen Männchen sind deutlich grauer gefärbt und die Fleckung auf der Brust ist viel verwaschener als bei den jungen, mehr braunen Weibchen. Warum die im letzten Jahr erworbenen Männchen aber eine so deutliche Fleckung auf der Brust zeigten war immer noch unklar bis ich die jungen Männchen eines befreundeten Züchters sah. Wurden die Jungvögel bei mir nach dem Selbständigwerden von den Altvögeln getrennt so musste er die Jungen bei dem Zuchtpaar belassen. Seine jungen Männchen färbten nicht so durch wie es meine im ersten Jahr taten, kann man hier von einem „Hemmungskleid“ sprechen? .
Weibchen: Die Oberseite der Weibchen ist nahezu braun. Die Kehle ist weißlich mit deutlichen dunklen Bartstreifen. Die Oberbrust ist verwaschen grauweiß mit deutlichen dunklen Flecken. Die Flanken sind wie beim Männchen rostrot gefärbt und zur Brust mit einigen dunklen Flecken durchsetzt. Der Bauch und die Unterschwanzdecken sind weiß. Der Schnabel ist graugelblich. Zwischen meinen beiden Weibchen gibt es deutliche Unterschiede in der Ausfärbung. Das ältere Weibchen ist auf Oberseite und Brust viel stärker grau gefärbt als das junge Weibchen deren Oberseite fast einfarbig braun gefärbt ist. Die Frage ob diese Unterschiede ausschließlich auf den Altersunterschied zurückzuführen sind, oder ob die Weibchen in der Färbung so stark variieren konnte leider nicht abschließend geklärt werden.

Unterbringung:

Das Zuchtpaar der Graurückendrossel wurde in einer 40m² großen Aussenvoliere untergebracht. Diese ist mit Fichten, Eibe, Weide, Efeu, Kiefer, Heckenrose und Brennnessel stark bewachsen. Vergesellschaftet sind die Drosseln hier mit Berghänfling, Tannenmeise, Zaunammer, Schwarzkopfgrünling und Wachtel. Diese Voliere ist zu 2/3 überdacht und an 2 1/2 Seiten geschlossen. Den deutlich kleineren Arten gegenüber verhielten die Drosseln sich immer friedlich. Das zweite Paar bezog eine 8 m² große, vollständig überdachte Voliere die mit Zypressen und Liguster bepflanzt ist, der Boden ist hier stark mit Gräsern bewachsen. Mitbewohner sind hier Magellanzeisig und Meisengimpel. Gegenüber dem Magellanzeisig verhielt die Drossel sich manchmal aggressiv, doch kam es zu keinen größeren Streitigkeiten sodass alle 3 Arten erfolgreich Junge aufzogen. Die geschlossenen Wände meiner Volieren sind mit Kiefernzweigen bestückt zwischen denen unterschiedliche Nisthilfen (Kaisernester und geflochtene Körbchen unterschiedlicher Größe sowie Halbhöhlen) angebracht werden. Natürlich darf bei Drosseln eine ausreichend große Badegelegenheit nicht fehlen von der mehrmals täglich Gebrauch gemacht wird.

Ernährung:

In den Wintermonaten bekamen die Drosseln ein Weichfutter (Fa. Muchaterra) und wenige Mehlkäferlarven, darüber 2-mal in der Woche wenig Korvimin gestreut. Zum Frühjahr hin wurde der Lebendfutteranteil erhöht und nun auch gefrorene Pinkies und Drohnenbrut (frisch und gefroren) gereicht. Dieses Lebendfutter wurde mit Megaform leicht angefeuchtet und mit einer teilweise gemahlenen Mischung aus einem 10-Kräutermix, Traubenzucker, Bierhefe, Korvimin, Biskuit und Blütenpollen „paniert“ bis eine lockere, leicht feuchte Mischung entsteht.
In einer größeren Kunststoffbox mit feuchter Erde suchen die Drosseln gern nach Nahrung und finden in dieser zur Jungenaufzucht immer ausreichend Mehlkäferlarven und Regenwürmer, von der Drohnenbrut wird nur einmal täglich wenig in diese Kiste gegeben. Selbstverständlich müssen diese Boxen ständig gereinigt werden, da das Futter mit der feuchten Erde leicht schimmelt. Nach Beendigung der Mauser im September wird die Fütterung wieder umgestellt.

Weibchen

Fortpflanzung:

Im Februar begannen die Männchen damit ihren lauten Gesang vorzutragen. Bereits Mitte April hatte ein Weibchen ein Nest kurz unter der Volierendecke auf einem großen Kaisernest fertig gestellt. Dieses bestand aus trockenen, aber auch frischem Gras mit Wurzeln und feuchter Erde sowie Moos. Es sollte den Vögeln immer feuchtes Nistmaterial angeboten werden, ansonsten wird es in den Badeschalen von diesen selbst gewässert. Ausgepolstert wurden die Nester mit Kokosfaser und trockenen Gräsern. Leider erwies sich das bebrütete 3er Gelege als unbefruchtet. Das Nest wurde von mir entfernt und Mitte Mai zeitgleich mit dem zweiten Weibchen ein neues Nest errichtet. Beide Weibchen bauten wiederum direkt unter der Volierendecke, einmal in einer Nisthilfe und das andere Weibchen auf einem großen Kaisernest welches für die Meisengimpel angebracht war. Um diesem Nest mehr Halt zu geben habe ich ein großes geflochtenes Körbchen auf das Kaisernest getackert und das fertige Nest hineingestellt. Es wurden jeweils 5 grüne Eier mit rostroter Fleckung gelegt und 12 bis 13 Tage, ausschließlich vom Weibchen, bebrütet. Auf Nestkontrollen reagierte ein Weibchen recht aggressiv und so wurden jedes Mal Angriffe gegen meinen Kopf geflogen. Das Männchen flog zwar auch schimpfend herbei, hielt jedoch respektvoll Abstand. Es erwiesen sich alle Eier als befruchtet und die Jungen schlüpften innerhalb von zwei Tagen. Von Beginn an füttern beide Eltern die Jungen, der Hauptanteil liegt in den ersten Tagen aber beim Männchen. Fliegt dieses an rückt das Weibchen zur Seite und ermöglicht so die Fütterung der Jungen. In den ersten Tagen kann man dabei leise Locktöne vernehmen, mit denen die Jungen wohl zum Sperren animiert werden sollen. Aus einem Nest verschwand nach 4 Tagen ein Jungvogel, aber die restlichen 9 Drosseln verließen nach ca. 12 Tagen, noch recht unbeholfen, das Nest. Im Laufe der ersten Woche verstarben dann leider noch zwei Jungvögel aus ungeklärter Ursache. Bereits am Tage des Ausfliegens begannen die Weibchen erneut mit dem Nestbau. Das alte Nest wurde von keinem meiner Paare wieder verwendet. In dieser Brut wurden jeweils 4 Eier gelegt von denen sich bei dem einen Paar zwei, bei dem anderen Paar alle 4 als befruchtet erwiesen.

 

Das sah ja wieder recht vielversprechend aus, doch sollten die Vögel mich eines Besseren belehren. Während das alte Paar von den zwei geschlüpften Jungen zumindest einen Jungvogel erfolgreich großzog fütterte das junge Paar nur zwei der vier geschlüpften Jungen, diese lagen für mich völlig überraschend aber auch ca. 3 Tage vor dem Ausfliegen tot im Nest. Zu dieser Zeit war bei diesem Paar ein neues Nest bereits fertig gestellt. Das ging mir deutlich zu schnell, die Altvögel waren in meinen Augen zu triebig und ich stellte die Ernährung um. Von der Drohnenbrut wurde während der Bebrütung des Geleges nichts mehr gegeben, zur Aufzucht nur wenig und auch das Korvimin wurde auf Anraten meines Freundes T. Wendt abgesetzt. Die abgesetzten Jungvögel bekamen aber weiterhin wenig Korvimin über das Futter gestreut. Leider war es aber wohl zu spät, denn auch die folgenden Bruten verliefen wenig erfolgreich. Während das Zuchtpaar wenigstens noch zwei Jungvögel aufzog wurde bei dem anderen Paar von 4 geschlüpften Jungen nur ein Jungvogel groß. Das war doch sehr enttäuschend. Während meine anderen Insektenfresser mit dieser Fütterung seit Jahren scheinbar keine Probleme haben und meist zuverlässig die Jungen aufziehen, scheinen die Gartendrosseln doch sehr sensibel auf die Gaben von (zuviel?) Korvimin und eiweißreichem Futter zu reagieren. Dies wurde auch von meinem Freund Harald Körber bestätigt, von dem ich die Vögel erhalten hatte und der die Drosseln mit Lebendfutter (Mehlkäferlarven, Fliegenmaden, Regenwürmer), aber nur sehr wenig Futterzusätzen, erfolgreich vermehrte. In den AZN Juli 2008 erschien dann von unserem „Altmeister“ S. Kirschke ein kurzer Bericht über die „Vitaminisierung“ von Futtertieren. Hier weist er darauf hin, dass die Gabe von Korvimin, gerade in der Weichfresserzucht, problematisch ist. Leider kam der Hinweis in diesem Jahr zu spät, wird bei der Fütterung im nächsten Jahr aber sicherlich Beachtung finden und das Korvimin durch Vitaminkalk ersetzt.
Anfang August kamen die Männchen in die Mauser, wenig später auch beide Weibchen. Während dieser Zeit verhalten die Tiere sich sehr heimlich.

 

       Jungtiere

Nachtrag: Nachdem ich in den Folgejahren die Fütterung umgestellt und auf die Gabe von Korvimin und Drohnenbrut während der Zucht verzichtet habe sind die Graurückendrosseln zuverlässige Eltern und ziehen in jedem Jahr 2 – 3 Bruten erfolgreich groß. Diese robuste Drosselart kann jedem Anfänger in der Weichfresserhaltung uneingeschränkt empfohlen werden.

Text und Fotos: Th.Ratjen

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