Arbeitsgruppe Weichfresser e.V. - Für Freunde der Weichfresser

Flammenkopfbartvoegel

28 Jul, 2017

Flammenkopfbartvoegel

Flammenkopfbartvogel

Trachyphonus erythrocephalusa

Weibchen

Die Bartvögel gehören zur Ordnung der Spechtvögel. Es sind 82 Arten in 13 Gattungen in 4 Familien (Afrikanische-, Amerikanische-, Tukan- und Asiatische Bartvögel) geordnet. Der Flammenkopfbartvogel und weitere 5 Arten gehören zur Gattung der Schmuckbartvögel (Trachyphonus) in der Familie der Afrikanischen Bartvögel.

In Europa wurden immer nur wenige Arten von Bartvögeln gehalten. Attraktiv und interessant sind sie durchaus alle. Die optimalen Bedingungen, mit denen wir versuchen, ihr ursprüngliches Umfeld zu imitieren oder zumindest sehr ähnlich nachzuempfinden, werden selten erreicht oder sind immer noch nicht ausreichend für die Ansprüche vieler Arten. Nur einige wenige werden hier erfolgreich langjährig gehalten und vermehrt.
Die Flammenkopfbartvögel (Trachyphonus erythrocephalus) und Furchenschnabel-Bartvögel (Pogonornis dubius) sind zur Zeit die am häufigsten gehaltenen Bartvögel in Deutschland. Lediglich der Ohrfleckbartvogel (Trachyphonus darnaudii) wird auch noch in erwähnenswerter Anzahl von privaten Vogelfreunden und europäischen zoologischen Einrichtungen gehalten.

Wer wissenswerte Ausführungen zum Leben der Flammenkopfbartvögel sucht, wird u.a. bei der freien Enzyklopädie „Wikipedia“ fündig.
In diesem Artikel soll es um meine Haltungs- und Vermehrungserfahrungen dieser schönen Vögel gehen.

das Paar

Die Aufzucht von je zwei Jungtieren in den Jahren 2008 und 2009 und je neun Jungtieren in den Jahren 2010 und 2011, in mehreren Bruten, vollbrachte ein Paar bei mir.
Diese vermehrungsfreudigen Tiere wurden in einer bepflanzten Voliere von 3m x 2,5m x 2,5m gehalten, von der aus sie ständig einen Innenraum von 2m x 1m x 2m aufsuchen konnten. Der Innenraum wurde im Winter beheizt, so dass 20°C gehalten wurden. Der Ausflug blieb bei Außentemperaturen unter 5°C verschlossen.
In der Außenvoliere befanden sich relativ morsche Stämme von Birken und einem Kirschbaum. Diese wurden gern von den Vögeln, die ja auch zu Spechtvögeln gehören, bearbeitet. Gebrütet wurde aber in dem Innenraum. Hier befanden sich ein Stück eines innen morschen Apfelbaumes und der immer wieder genutzte Brutkasten, eine Baumstammbruthöhe für Singsittiche ( 38 cm hoch, Innendurchmesser 18 cm, Einflugloch 6,5cm).
Probierte Varianten von Bruthöhlen, wie z.B. ein Kasten mit Eingangsröhre (mit und ohne Sand-Lehm-Füllung), ein schräg ablaufender Kasten, ein Sperrholzkasten für größere Sittiche, sowie Befüllungen mit morschem Holz oder Strohhäcksel oder Rindenmulch fanden sie zwar zeitweise interessant, wurden aber nicht zur Brut akzeptiert.
Die besagte Baumstammbruthöhle für Singsittiche wurde von mir im Frühjahr mit einem nicht zu fetten Sand-Lehm-Gemisch (Verhältnis 1:6) befüllt. Der Sand sollte nicht zu fein sein, aber auch keine größeren Steine enthalten. Zusätze von Stroh- oder Holzhäcksel hatten sich nicht bewährt, da sie der Füllung zuviel Stabilität gaben. Das erdfeuchte Gemisch wurde fest, bis unter den Deckel, in die Baumstammhöhle eingestampft und zwei Tage antrocknen gelassen. Zu feuchte Füllungen wurden zu schnell wieder ausgetragen. Zu fette und trockene Mischungen waren, trotz hartnäckigstem Einsatz, von den Vögeln nicht zu bewältigen.
Stimmte die Konsistenz, so hatten die Tiere innerhalb von zwei bis drei Tagen die Füllung wieder rausgearbeitet. Brockenweise wurde sie etwa einen Meter vom Brutkasten abgelegt. (Die Tiere haben regelmäßig den Futtertisch und die darauf befindlichen Futterschalen zugeräumt.) Es wurde immer ein Absatz über dem Boden gelassen, so dass sich der Legebereich verkleinert. Dieser Absatz verhinderte aber auch das direkte Aufspringen auf die Brut beim Reinklettern in die Höhle.
Erstmals habe ich im August 2008 diese Variante den Vögeln angeboten und sie brachte den Erfolg. Im Jahr 2009 habe ich, nach der Beendigung der ersten Brut, den Brutkasten erneut mit der Mischung gefüllt, was sie zwar dazu bewegte, ihn wieder zu leeren, aber er wurde nur noch als Schlafplatz genutzt. 2010 erneuerte ich die Füllung nicht und es kam zu drei Bruten mit bereits erwähntem Ergebnis. Im Jahr 2011 erneuerte ich die Füllung ebenfalls nicht und es kam wieder zu drei Bruten. Allerdings habe ich im Oktober die Höhle entfernt, nachdem mit vier Eiern erneut zur Brut geschritten werden sollte.
Ob es sich hierbei um den individuellen Anspruch meines Paares handelte, der gefüllten Baumstammhöhle den Vorrang vor morschem Holz zu geben, weiß ich nicht. Anscheinend kommt diese Form aber ihrem Verhalten in freier Natur am nächsten, wo sie vorzugsweise in Termitenbauten und Uferbänken ihre Höhlen bauen.

Männchen

Beide Tiere brüteten etwa 16 bis 18 Tage lang, wobei das Weibchen dem Männchen den Vorrang lässt und deutlich weniger beteiligt ist. Nach 25 – 26 Tagen waren die Jungen flügge und verließen die Höhle. Da das Gefieder dem der Alttiere gleicht und lediglich die roten und gelben Partien am Kopf blasser sind, lassen sich die Geschlechter sofort unterscheiden.
In den beiden Jahren, in denen meine Flammenkopfbartvögel mehrere Bruten aufzogen, halfen die Jungvögel der vorangegangenen Bruten bei der Versorgung der aktuell zu Fütternden. Nur einmal wurde ein männlicher Jungvogel so vehement vom Weibchen vertrieben, attackiert und vom Familienverband ausgeschlossen, dass es nicht in der Gruppe gelassen werden konnte. Ansonsten lebte die Familie gesellig miteinander und das bei anderen Arten übliche Absondern der Nachkommen war nicht notwendig.
Es ist allerdings auch nicht möglich, blutsfremde Tiere in die Gruppe zu integrieren. Selbst das Unterbringen in unmittelbarer Nähe, ohne Sichtkontakt, verursacht Aufregung, ja sogar andauernde Hektik. Mit der Absicht, blutsfremde Paare für den Verkauf zusammenzustellen und der dazu notwendigen Beschaffung fremder Tiere musste ich die Erfahrung machen, dass eine große räumliche Trennung ratsam ist.

Etwas zur Fütterung dieser Tiere: Als Grundfutter gab ich ORLUX Uni Patee Premium mit Spirulina oder Claus-Honig-Alleinfutter Type III (braun) oder Claus-Fett-Alleinfutter Type III (braun). Entscheidend ist, dass gelegentlich das Angebot gewechselt werden muss, da es abrupte Änderungen an Futtervorlieben bei den Vögeln gibt.
Neben dem Fertigfutter gab es eine kleine Obstschale mit je drei unterschiedlichen, täglich wechselnden, geschnittenen Obstsorten. Auch wenn Obst nicht so begierig gefressen wurde wie es z.B. die Furchenschnabelbartvögeln tun, so fraßen die Alttiere doch am Tag eine prall gefüllte Schale von 6 cm Durchmesser leer. An Insekten stellte ich täglich Mehlkäferlarven und Zophobas zur Verfügung. Zur Aufzucht natürlich mindestens viermal am Tag und dann hauptsächlich frisch gehäutete Tiere. Die relativ großen Zophobas wurden von den Alttieren auf die fütterungsgerechte Größe zurecht gefressen. Zusätzlich sammelten sie alle Arten von Insekten und Spinnen aus der Außenvoliere, wobei ich keine direkte Verfütterung an Jungvögel beobachten konnte, sondern dies wohl eher der Befriedigung eines Jagdtriebes galt. Erwähnenswert ist der Verbrauch an Sepiaschalen. Die Tiere pickten nicht nur, sondern fraßen – ganz besondert während der Jungenaufzucht – diese Schalen.

Soweit zu den positiven Erfahrungen mit den Flammenkopfbartvögeln.
Nun eine andere Geschichte.
Ein zweites Paar, dass ich besaß, hatte ich in einer 7m x 4m x 3m Außenvoliere und angrenzendem Innenraum von 3m x3m x 2,5m in Gemeinschaft mit 1,1 Rotschnabeltokos und 3,3 Schmalschnabelstaren gehalten. Sie haben nie gebrütet. Die Nistkastenversuche liefen ähnlich ab wie beim bereits beschriebenen Paar. Die Bruthöhlenfüllungen wurde ausgeräumt, aber die Höhle wurde nicht einmal als Schlafplatz genutzt. Sehr fleißig arbeiteten sie aber einen ordentlichen Höhlengang in die Yton-Steinwand der Innenvoliere (mit geplantem Ausflug nach außen). Ob es darin zu einem Brutversuch gekommen wäre, wenn ich ihnen diese Höhle gelassen hätte, oder ob es sich nur um ein artspezifisches Verhalten handelte, weiß ich nicht.

In der geschilderten Vergesellschaftung lebte dieses zweite Paar zwei Jahre ohne irgendwelche Aggressionen. Dann starb das Weibchen. Ein Tag nach dem Einsetzen eines neuen, jungen Weibchens war es vorbei mit dem Frieden. Ein tot aufgefundener Schmalschnabelstar lässt die Vermutung auf natürlichen Abgang zu. Als nach einem weiteren Tag drei Schmalschnabelstare verendet waren, keimte die Angst vor einem Krankheitsbefall auf. Merkwürdigerweise suchten die Rotschnabeltokos die Außenvoliere nicht mehr auf. Zufällig wurde ich plötzlich Zeuge einer heftigen, trotz meiner Anwesenheit in der Voliere ausgetragenen Attacke des Flammenkopf-Männchens gegen einen Schmalschnabelstar. Sofort setzte ich die Bartvögel um.
Sie bekamen eine 18 m² große Voliere, in der allerdings bereits ein Paar Mexikanische Kamingimpel untergebracht waren. Die Tür war noch nicht verschlossen, da attackierte das Männchen schon das Gimpelmännchen und ein erneutes Eingreifen, mit der Folge der kurzzeitigen Unterbringung auf beengtem Raum (Platzmangel) und baldigem Verkauf des Paares.
Mittlerweile glaube ich, dass eine Vergesellschaftung in besagter Konstellation von Höhlenbrütern zu störend ist für die Flammenkopfbartvögel, wobei ich nie direktes Interesse der Beteiligten an den Höhlen der Anderen bemerkt habe. Was die plötzlich aufgetretenen Aggressionen beim Flammenkopfbartvogel-Männchen (und nur bei ihm) auslöste, nach dem Verändern eines Umstandes – dem Zusetzen eines neuen Weibchens – bleibt mir schleierhaft. Vielleicht war sie nun die richtige Partnerin zur Familiengründung und eine Flammenkopfbartvogelfamilie braucht nun mal Platz.

Eine mit der Vermehrung der Flammenkopfbartvögel auftretende Schwierigkeit stellt derzeit der oft notwendige Absatz der Nachzuchten dar. Unter den relativ wenigen Weichfresserhaltern ist der Bestand an den sich gut reproduzierenden Vögeln gedeckt. Das reguliert natürlich den Preis, was sich wiederum positiv auf die Kaufinteressen von “Weichfresserhalter-Neulingen” auswirkt.
Wenn ich dann aber den Kaufinteressierten von meinen Erfahrungen berichte, schwindet relativ schnell das Interesse. Zwei Punkte sind für das dann aufkommende Desinteresse ausschlaggebend:
1. Es gibt Berichte von z.B. der Gemeinschaftshaltung mit Bülbülarten. In einigen Fällen mag es funktionieren. Aber – wie hier berichtet – nichts ist sicher. Ich werde keinem mehr die Flammenkopfbartvögel als vergesellschaftungsfähig erklären.
2. Über die Ruffreudigkeit der Vögel sollte der Fairness halber der Kaufinteressierte immer informiert, wenn nicht sogar gewarnt, werden. Sie rufen ganzjährig. Die Laute dieser Bartvögel gehören zu den charakteristischen Vogelstimmen in Ostafrika. Was man selbst als exotisch oder sogar schön empfindet, stößt bei Anderen oft nur auf zeitlich begrenztes Amüsiertsein. Ihre laut im Duett vorgetragenen Rufe erinnern an Alarmanlagen und verlangen daher der Nachbarschaft schon einiges an Toleranz ab.

Insgesamt möchte ich jedoch nicht gegen die Haltung von Flammenkopfbartvögeln sprechen. Im Gegenteil – mit dem Wissen über vermeidbare Fehler und dem Eingehen bzw. Nachgestalten ihres natürlichen Lebensumfeldes, macht die Pflege dieser zutraulichen, schönen Vögel richtig Freude.

Bernd Simon

Erschienen in der VZE-Zeitschrift “Vogelwelt” Heft 04/2012, überarbeitet im Juli 2016

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