Arbeitsgruppe Weichfresser e.V. - Für Freunde der Weichfresser

Die Blauelster

14 Jul, 2019

Die Blauelster

Die Blauelster

Cyanopica cyanus (Pallas, 1776)

Text und Bilder: © Thomas Ratjen

Seit vielen Jahren gehört die Blauelster zum festen Bestand in meinen Volieren. Sie ist ein relativ scheuer Vogel, der sich schnell in der Vegetation der Voliere versteckt. Nimmt man sich ein wenig Zeit, so lässt sie sich doch recht gut beobachten und macht mit ihrem lebhaften und neugierigen Wesen viel Freude.

          

Verbreitung und Lebensraum:

Die Blauelster hat ein ungewöhnliches, zerrissenes Verbreitungsgebiet. Das Zentrum der Verbreitung liegt in Südostasien, dort besiedelt sie Tibet, Japan, Korea, China, das südöstliche Russland und die südliche Mongolei. In etwa 9000km Entfernung, in Südportugal und Spanien, kommt eine weitere Unterart (Cyanopica cyanus cooki, Iberische Blauelster) der Blauelster vor, über die hier berichtet werden soll. Über die Entstehung dieser ungewöhnlichen Verbreitung gibt es mehrere Varianten.

Die Blauelstern, die in Spanien und in Portugal vorkommen, könnten von Vögeln stammen, die im 15. Jahrhundert von ehemaligen Seefahrern aus Ostasien eingeführt wurden. Jedoch hat die Entdeckung von Fossilien dieser Art, die aus dem Oberen Pleistozän, vor etwa 44.000 Jahren stammen, in Gibraltar schließlich bewiesen, dass die Blauelstern in diesen Regionen schon sehr lange existieren. Neue genetische Studien bezeichnen zwei getrennte Populationen dieser Art, und zwar die eine Population, die in Europa lebt und die andere Population, die in Südostasien vorkommt.

Die Blauelster lebt in Dickichten von Hochwäldern, die sich in einer Höhe unterhalb von 1.600 Metern befinden. Sie zieht Eichenwälder, Kiefernwälder und Pinienwälder vor, aber sie akzeptiert auch Obstgärten, die nahe bei den Flüssen liegen. Die Blauelster besucht auch gerne Gärten und Parkanlagen sowie Straßenränder und hält sich ebenfalls im Wüstengelände auf. Allerdings müssen dort Bäume vorhanden sein, damit die Blauelster bei Gefahr auf diese Bäume flüchten kann. Außerhalb der Brutzeit schließen sich die Blauelstern zu größeren Gruppen zusammen und ziehen gemeinsam auf Nahrungssuche umher.

Beschreibung:

Die Blauelster ist aufgrund ihrer schwarzen Kappe, dem azurblauen Schwanz und den azurblauen Flügeln kaum mit anderen Vögeln zu verwechseln. Sie erreicht eine Körperlänge von etwa 31 bis 35 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 38 bis 40 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 65 bis 76 Gramm. Der Oberkopf, der Nacken und die Kopfseiten sind bei der Blauelster tief schwarz gezeichnet sodass der Eindruck einer schwarzen Maske entsteht. Die schwarze Färbung reicht bis unter die Augen, während die Kehle und der obere Teil der Brust weiß getönt sind. Der Rücken ist hell beige bis braun gefärbt. Die Unterseite ist ebenfalls bräunlich beige gefärbt. Die Flügel und der Schwanz zeigen die typische azurblaue Färbung, die für den Vogel namensgebend war. Der Schwanz kann eine Länge von etwa 190 bis 197 Millimeter erreichen. Der Schnabel ist kräftig und weist eine schwarze Färbung auf. Die Jungvögel sind insgesamt dunkler und bräunlicher gefärbt, ausgenommen die grauen Federspitzen auf dem Kopf, der ansonsten schwarz gefärbt ist. Die Geschlechter der Blauelstern sind identisch gefärbt, daher kann hier nur eine DNA Untersuchung Aufschluss über das Geschlecht geben. Die Art besitzt ein breites Spektrum an Schwatz- und Plauderlauten. Bei Gefahr oder Bedrohung fliegt die Blauelster mit einem lauten Ruf auf. Der Gesang variiert stark. Der erste Ton klingt hoch und rau, die nachfolgenden Töne sind schneller und metallischer und klingen wie Alarmrufe. Zwischendurch hört man dann wiederum zartere Töne die in pfeifende Töne übergehen. Als laut kann ich die Art nicht beschreiben, selbst mein intoleranter geräuschempfindlicher Nachbar hat sich noch nie beschwert.

Unterbringung:

Die Blauelster ist bei mir paarweise in einer Voliere von 2x5m bei einer Höhe von 2,2m untergebracht. Zu den Nachbarvolieren sind die Seiten doppelt mit Draht bespannt, um Verletzungen bei etwaigen Streitereien vorzubeugen. Auch wenn die Art in der Natur in Kolonien brütet, sind mir zwar Haltungen in der Gruppe bekannt, erfolgreiche Bruten hat es meines Wissens nach aber nicht gegeben. Dieses mag sicherlich von der Volierengrösse abhängig sein. Meine Voliere ist komplett mit Trapezklarsichtplatten überdacht, der hintere Bereich ist an 3 Seiten mit Rauspundbrettern verkleidet. Hier sind Kiefernzweige als Versteckmöglichkeit angebracht. Bepflanzt ist die Voliere mit einem Holunderstrauch und Bambus. Der Boden ist mit Rindenmulch abgedeckt, einige Baumstubben und Steine runden die Einrichtung ab. Da die Art winterhart ist verbleibt das Paar das ganze Jahr in dieser Voliere. Eine größere Bademöglichkeit sollte unbedingt vorhanden sein, da diese Art sehr gern und oft davon Gebrauch macht.

Ernährung:

Die Elstern bekommen ein Weichfutter der Firma muchaterra (www.muchaterra.de) als Grundfutter, dazu gibt es Katzenpellets von Aldi. Diese kleinen runden Pellets werden auch von meinen Maghrebelstern sehr gern gefressen, allerdings in der Brutzeit kaum beachtet. An Lebendfutter erhalten sie kleingeschnittene Eintagsküken bestäubt mit Carni Pro der Fa. Aves Cibum, Nekton MSA, Vitaminkalk oder Korvimin. Bemerkenswert ist, dass die Blauelstern die Beine der Küken nicht fressen, von meinen Blauracken dagegen werden diese zuerst verzehrt. Rinderherz haben meine Elstern nie beachtet. Zur Brutzeit und Jungenaufzucht werden dann auch noch gut ernährte Mehlkäferlarven und in den ersten Tagen der Jungenaufzucht gefrostete Pinkies, beides bestäubt mit Insecten Strooipoeder gereicht. Drohnenbrut von meinem Imker wird auch gern genommen, diese gebe ich vor dem verfüttern kurz in kochendes Wasser. Weiterhin können auch Früchte und Beeren gereicht werden. Zur Beschäftigung z.B. auch Gehäuseschnecken, immer wieder werden diese nach fressbarem Inhalt untersucht. Hin und wieder verirrt sich auch mal eine Maus in die Volieren, die bei den Blauelstern dann eine willkommene Abwechslung im Speiseplan darstellt.

Das Futter wird in leicht zu reinigenden Tonschalen gereicht, diese stehen auf einem Baumstumpf in ca. 50cm Höhe, der somit als Futtertisch Verwendung findet.

Eintagsküken

Vermehrung:

Die Geschlechtsreife tritt mit einem Jahr ein. Berichte, nach denen dies bei einigen Vögeln erst im 2. Jahr geschieht kann ich nicht bestätigen, bei mir haben alle Vögel bereits schon im 1. Jahr erfolgreich Junge aufgezogen. Bei der Zusammenstellung der Paare zeigte sich die Art bei mir völlig unproblematisch. Es wurde bisher jeder Partner akzeptiert und erfolgreich Junge aufgezogen. Das von Giebing (Die Voliere, 2004) beschriebene notwendige Fingerspitzengefühl kann ich somit auch nicht bestätigen. Die Balz ist bei entsprechender Witterung bereits im März zu beobachten, der Nestbau begann bei mir bisher nie vor Mitte bis Ende April. Als Nestunterlage biete ich geflochtene Weidenkörbe mit einer Größe von ca. 35cm an. Diese werden entweder zwischen den Kiefernzweigen angebracht oder mit ein wenig Grün verkleidet auf ein Brett geschraubt und an die Volierenwände gehängt. Wählerisch waren alle meine Elstern bisher nie, es wurden alle angebotenen Nisthilfen akzeptiert. An Nistmaterial werden Birkenreiser, Wurzeln und für die Auspolsterung trockene Gräser und Scharpie gereicht. Dabei wird die weiße Scharpie den Gräsern eindeutig vorgezogen. Die Gelegestärke variierte in den Jahren immer zwischen 5 und 8 Eiern welche täglich gelegt werden. Die Brutzeit beträgt ca. 18 Tage, nach meinen Beobachtungen brütet das Weibchen allein. Eine Nestkontrolle wurde von meinen Vögeln meist nicht übelgenommen, selten wurde ich dabei einmal von den Alttieren attackiert. Beringt werden die Blauelstern mit Artenschutzringen der Größe 4,5mm, auch dieses wurde von den Altvögeln nie übergenommen und Junge aus dem Nest befördert. Nach ca. 24 Tagen verlassen die Jungen das Nest und klettern in den Büschen umher. Selbständig sind sie ca. 14 Tage später (die von M. Giebing angegebene 1 Woche halte ich für ein Gerücht) lassen sich aber immer wieder gern von dem Männchen füttern. Meist wird direkt nach dem Ausfliegen der 1. Brut mit der 2. Brut begonnen, die Jungvögel werden dann aber nach dem selbständigwerden von mir aus der Voliere entfernt um deren Aufzucht nicht zu gefährden. Nach der Brutzeit kann man die Gruppe problemlos wieder zusammen fliegen lassen, eine Gruppe Blauelstern in der Voliere ist ein wunderschöner Anblick. Wie R. Gerstner schon schreibt, so ist der Brutablauf schwierig zu beobachten da die Art sehr heimlich ist. Auch die identische Färbung der Geschlechter macht eine genaue Zuordnung trotz Farbring oft nicht einfacher.

Die Blauelster ist ein attraktiver, liebenswürdiger und interessanter Volierenbewohner, welcher nicht allzu schwer zu vermehren ist. Auch stellen die Ernährung und die Unterbringung den Vogelfreund vor keine großen Probleme. Weshalb sie so selten in den Volieren der Vogelliebhaber anzutreffen ist, kann ich nicht nachvollziehen.

 

Erschienen in „Der Vogelfreund“ Hanke Verlag, Juli 2019

 

Literaturquellen:

http://www.tierdoku.com

  1. Giebing, Die Voliere 2004
  2. Gerstner, Die Europäische Vogelwelt 1993