Arbeitsgruppe Weichfresser e.V. - Für Freunde der Weichfresser

Der Star

28 Jul, 2017

Der Star

Der Star

Sturnus vulgaris (Linnè, 1758)

© T. Ratjen  (2017)

Ordnung: Passeriformes – Sperlingsvögel
Unterordnung: Passeres – Singvögel
Familie: Sturnidae – Stare
Gattung: Sturnus
Unterarten: Sturnus vulgaris vulgaris; Sturnus vulgaris poltaratskyi; Sturnus vulgaris purpurascens; Sturnus vulgaris porphyronotus; Sturnus vulgaris humii; Sturnus vulgaris minor

Französisch: Etourneau sansonnet
Englisch: Common Starling
Niederländisch: Spreeuw

Neunzig (Einheimische Stubenvögel, 1922) beschreibt den Star noch als eifrigen, wenn auch nicht besonders kunstfertigen Spötter der, besonders wenn früh aus dem Nest genommen und aufgepäppelt, lernt Liederweisen nachzuflöten und menschliche Worte nachzusprechen.
Als Stubenvogel spielt unser Star heute wohl keine Rolle mehr, in der Haltung und Zucht kann er allerdings auch sehr viel Freude bereiten.
Auf eine Beschreibung der Art möchte ich hier weitgehend verzichten da ich davon ausgehe das der Star jedem Vogelliebhaber bekannt ist.

Verbreitung:
Der gemeine Star ist von Island, Norwegen, Großbritannien, Irland, West-Frankreich, Nordost-Spanien nach Osten bis etwa an den Baikalsee und zur nordwestlichen Mongolei, Brutvogel. Die Südgrenze des Verbreitungsgebietes verläuft über Süd – Frankreich, Italien, Serbien, Nord – Griechenland, die Türkei, Nord – Iran, N – Irak, Afghanistan, N – Pakistan, NW – Indien. In Neuseeland, Australien, SW – Afrika, den Fidschi – Inseln und in Nordamerika, wo er sich Dank seiner Anpassungsfähigkeit fast explosionsartig vermehrte, wurde die Art eingebürgert. Der Star ist in Europa Teilzieher, Stand- und Zugvogel. Der Zug in die Überwinterungsgebiete (Südeuropa und Nordafrika) beginnt in der Regel im September – Oktober, im Februar – März kehrt er in die Brutgebiete zurück.
Im westlichen Mittelmeergebiet auf der Pyrenäenhalbinsel, auf Sardinien, Korsika, Sizilien sowie in Marokko, Algerien und Tunis wird er durch den Einfarbstar (Sturnus unicolor) vertreten. Im Südosten Europas, Kleinasien bis SW – Sibirien, Turkestan, Afghanistan, Iran kommt eine weitere Art, der Rosenstar (Pastor roseus), vor.

Biotop:
Als Kulturfolger und aufgrund seiner großen Anpassungsfähigkeit bewohnt der Star eine Vielfalt an Landschaften. So ist er Heute in nahezu allen Dörfern und Städten in größeren Parks und Gärten sowie lichten Waldungen mit angrenzenden Weiden anzutreffen. Am günstigsten für die Art ist die Kombination von feuchten Flächen mit kurzer Vegetation zur Nahrungssuche (Wiesen oder Rasenflächen) mit angrenzendem Angebot an geeigneten Nistmöglichkeiten wobei es keine Rolle spielt ob dies künstliche Nisthilfen (die ursprünglich dazu dienten die Nestlinge vor dem Ausfliegen auszunehmen und zu verspeisen), Höhlen in Bäumen, Hohlräume unter Dachziegeln oder größere Ritzen in Gebäuden oder Felsen sind. Gemeinsame Schlafplätze werden das ganze Jahr über, in der Brutzeit vor allem von Männchen und Nichtbrütern, aufgesucht. Dies sind meist Baumgruppen, dichte hohe Büsche, Gebäude oder Schilfgebiete die Schutz vor Feinden und Energieverlust (Wind) bieten. An den Schlafplätzen kann man meist noch bis in die Dunkelheit den Gesang der Stare hören. Erst nach Sonnenaufgang kehren die Männchen an die Bruthöhlen zurück.


Jungvogel beim Umfärben.

Nahrung:
Im Frühjahr und Sommer besteht die Nahrung vor allem aus Insekten und deren Larven, Würmern, Schnecken und Spinnen wobei der Star eine große Rolle in der Schädlingsbekämpfung spielt. Engerlinge, Maikäfer, Eichenwickler, Kartoffelkäfer, Schnecken und Wiesenschnakenlarven um hier nur einige zu nennen gehören in nicht unerheblichem Maße zu seiner Ernährung. Diese werden durch Spreizen des Schnabels (Zirkeln) im Boden gesucht oder aber auch von Pflanzen abgelesen. Stare schreiten am Boden während der Nahrungssuche, sie hüpfen nicht wie z. B. die Schwarzdrosseln. Leider ändert der Star im Laufe des Jahres seine Ernährungsgewohnheiten und ist im Spätsommer, wenn er oft in großen Scharen in die Kirschbäume einfällt, meist kein besonders gern gesehener Gast mehr. In Obst- und Weinanbaugebieten, im Mittelmeerraum auch in Olivenplantagen kann er dann großen Schaden anrichten. A. E. Brehm bemerkte schon 1867 zu diesem Thema: „Solchen Schaden vergütet er tausendfach durch seinen Eifer, Feld und Garten von schädlichen Tieren zu säubern“. Die wildwachsenden Früchte von Schwarzem Holunder, Traubenkirsche, Hartriegel, wildem Wein, Eberesche und Maulbeere werden von ihm ebenfalls nicht verschmäht.
In der Voliere ernähre ich die Stare mit einem guten Weichfutter der Fa. Muchaterra, zur Jungenaufzucht verstärkt mit Lebendfutter wie Mehlkäferlarven und –puppen, gefrorenen Pinkies, Grillen und Heimchen sowie Drohnenbrut. Der Verbrauch an Lebendfutter steigt zur Brutzeit stark an und dem Weichfutter wird nahezu gar nicht mehr zugesprochen, nach dem Ausfliegen der Jungen wird dieses aber wieder vermehrt aufgenommen. Auch die verschiedenen Beeren und Früchte, die in der Natur gern gefressen werden, sollten, nicht nur außerhalb der Brutzeit, mit angeboten werden. Viele Beeren lassen sich gut einfrieren oder trocknen und werden, unter das Weichfutter gemischt, gern mit aufgenommen.

  Männchen im Brutkleid

Haltung und Zucht:
Untergebracht sind die Stare bei mir paarweise in einer Voliere der Größe 2 mal 2 mal 2 m. Diese ist recht spärlich mit einigen dickeren Ästen, wenigen Koniferenzweigen und 2 bis 3 verschiedenen Nistkästen eingerichtet. Als Bodenbelag habe ich im Innenraum wegen der guten Saugfähigkeit ein Häckselgut der Fa. Hugro gewählt. Stare machen schon aufgrund ihrer Größe eine Menge Schmutz und die Voliere muss relativ oft gereinigt werden, dies wird durch eine entsprechende Einstreu erheblich erleichtert. Da Stare auch in der Voliere gern im Boden nach Nahrung suchen, „Zirkeln“, wobei sie den Schnabel im Boden leicht öffnen um durch den entstehenden Spalt nach Insektenlarven oder Würmern zu sehen, sollte man in Aussenvolieren nach Möglichkeit einen möglichst natürlichen Bodenbelag wählen. Auch eine größere Badegelegenheit, von der die Vögel mehrmals täglich Gebrauch machen, darf nicht fehlen.
Meine Voliere für die „Spreen“, wie sie bei uns auch genannt werden, ist an drei Seiten geschlossen und komplett überdacht.
Ende Februar begann das Männchen verstärkt seinen Gesang vorzutragen. Dieser ist ein meist mit Pfiffen eingeleitetes sehr variables Schwätzen mit vielen unterschiedlichen Bestandteilen wie Imitationen von anderen Vogelstimmen (hier werden in der Literatur über 30! imitierte Arten aufgezählt) und anderen Lauten und Geräuschen. Dazu wurden meist erhöhte Standorte wie das Dach bzw. die Sitzstange vor einem Nistkasten gewählt. Auch in der Natur können wir die Männchen zu dieser Zeit schon oft auf Antennen, Dachfirsten oder Fichtenspitzen beobachten wenn sie mit gesträubtem Gefieder und flügelschlagend ihren sehr individuellen Gesang zum Besten geben. Auch die Starweibchen singen, nur nicht so laut und ausdauernd wie die Männchen.

Zur Brutzeit färbt der Schnabel der Stare von einem dunklen Schwarzgrau in Gelb um, wobei die Basis des Unterschnabels beim Männchen blaugrau, beim Weibchen dagegen weißlich gefärbt ist. Auch die weißen (Unterseite) und beigebräunlichen (Oberseite) Federspitzen nutzen bis zur Brutzeit weitgehend ab sodass die Vögel einheitlich dunkler und stärker metallisch glänzend erscheinen. Da Weibchen eine breitere und somit auch dichter wirkende Fleckung des Gefieders besitzen ist diese auch im Frühjahr meist noch deutlich sichtbar.

  Männchen mit Nistmaterial
Das Männchen trägt Nistmaterial in verschiedene Nistkästen, die aus Holz oder auch Holzbeton bestehen können, ein. Dieses ist meist trockenes Pflanzenmaterial wie Stroh, kleine Ästchen oder Heu, es werden aber auch Federn und wenige grüne Pflanzenteile verbaut. Hat das Weibchen sich für einen Nistkasten entschieden wird dieser oft komplett geräumt und von ihr neues Nistmaterial eingetragen. Die Starenkästen sollten nur so hoch unter der Volierendecke angebracht werden das die Männchen noch auf ihnen sitzen und den Gesang vortragen können. Mitte April war das Gelege mit insgesamt 6 grünlichblauen Eiern vollständig. Das Männchen trug, während der Bebrütung des Geleges durch das Weibchen, weiterhin unermüdlich seinen Gesang vor, es konnte nicht beobachtet werden dass es sich am Brutgeschäft beteiligte. Nur wenn das Weibchen kurz den Nistkasten verlassen hatte, um Nahrung aufzunehmen und Kot abzusetzen, schlüpfte das Männchen für wenige Minuten in die Höhle ein. Nach 13 Tagen wurden auf dem Volierenboden Eierschalen bemerkt sodass von einem Schlupf der Jungen ausgegangen werden konnte. Eine Nestkontrolle am nächsten Tag ergab, dass Junge geschlüpft waren. Jetzt wurden für die Aufzucht unbegrenzt Mehlwürmer und Pinkies zur Verfügung gestellt die mit einem guten Olivenöl benetzt und leicht mit Korvimin eingestäubt wurden. Die Jungen wurden allein vom Weibchen gehudert, an der Fütterung hat sich aber auch das Männchen gleichermaßen beteiligt. Bei manchen Paaren beteiligen die Männchen sich nicht an der Fütterung der Jungen, hier zieht das Weibchen in der Regel die Jungvögel auch allein groß was sie auch beim Verlust des Partners anstandslos macht. Die Beringung mit 4,0 mm Artenschutzringen und auch die öfter durchgeführten Nestkontrollen wurden vom Zuchtpaar in keiner Weise übel genommen. Nach einer Nestlingszeit von ca. 19 Tagen haben die graubraunen Jungen den Kasten verlassen. In den ersten Tagen verhielten sie sich recht scheu und haben sich noch oft in den Nistkasten zurückgezogen. Da von den Alttieren keine weitere Brut unternommen wurde habe ich die Jungvögel bis nach der Jugendmauser beim Elternpaar belassen.

Literatur:
LIMBRUNNER, BEZZEL, RICHARZ, SINGER „Enzyklopädie der Brutvögel Europas“ Kosmos
E. BEZZEL „Kompendium der Vögel Mitteleuropas“ Aula Verlag
W. SCHNEIDER „Der Star“ Die Neue Brehm Bücherei

 

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